Jahrgang 
1 (1864)
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Von Ernſt Fritze. 119

wolle, wenn der Contract vollzogen würde.—„Wer hat denn die Unter⸗ handlungen geleitet?“ forſchte der junge Mann ungeduldig.

Auch darüber konnte Vally keine Auskunft geben, weil ihr Vater es nicht liebte ſeine Tochter ſpeciell mit allen Vorkommniſſen vertraut zu machen. Sie erklärte dem eifrigen Frager, daß noch gar nichts entſchieden ſei und daß ſie verſuchen werde, ihren Vater überhaupt vom Verkauf des Grundſtückes abzuhalten, an dem ſeine Seele mehr, als ſie ſelbſt geglaubt habe, hienge.—„Ihr Vater iſt ein Eiſenkopf,“ ſprach Arthur lachend. „Man kann nichts mit ihm anfangen, ſonſt hätte ich mich längſt als Rathgeber bei ihm angetragen. Verſuchen Sie doch mich zu empfehlen. Ich weiß mit den Leuten beſſer umzugehen als er, und verſpreche mir Vortheile für ihn. Um alles in der Welt ſoll er ſich aber nicht mit den ſogenannten Agenten einlaſſen— hören Sie, Vally, das ſagen Sie ihm in meinem Namen. Will er meine Hülfe annehmen, ſo laſſen Sie es mich wiſſen— ich bin ja immer Ihr getreuer Verehrer geweſen, nicht wahr?“ Er bot ihr treuherzig die Hand, ſie ſchlug wacker ein.

„O— ich vermuthe, daß Sie mir auch ein treuer Anwalt ge⸗ worden ſind,“ erwiderte ſie innig freundlich, mit einer gewiſſen Hindeu— tung auf Juſtus.—„Nein, nein! Juſtus trug einen Vertheidiger für Sie im Buſen. Sein Herz vertrat Sie überall. Außerdem glaube ich ſpecieller Fürſorge des Himmels zu begegnen, wie käme es ſonſt, daß wir einen ſo glücklichen Tag zu unſerem Ausfluge hieher gefunden hätten. Juſtus, du biſt ein Glückspilz! Einen ganzen Tag zu gewinnen, wo wir auf einen flüchtigen Moment gerechnet hatten!“

Ja einen ganzen Tag des Glückes hatten ſie gewonnen— einen ganzen Tag ſtiller Liebeswonne, wo mit jeder anmuthigen Bewegung der Geliebten das Herz des Mannes tiefer erglühte, wo er durch den Wohl⸗ laut ihrer Stimme, durch die Lieblichkeit ihres ganzen Weſens entzückt und gefeſſelt wurde. Man genehmigte im Freundeshauſe von allen Seiten ſtillſchweigend dieſen Bund und ſtörte weder durch Fragen, noch durch Andeutungen das keimende Glück in den beiden Herzen, die nun nicht mehr zu trennen waren.

Der Tag verfloß und die Trennung wurde endlich nothwendig. Beide junge Männer zogen es vor zu Fuß durch die ſchönen Fluren nach der Eiſenbahn zu wandern. Hätten ſie den Wagen des Pfarrherrn genommen, ſo würde ihnen der Amtmann auf der Landſtraße begegnet ſein. Wahr⸗ ſcheinlich hätte dies Begegnen allen Verhältniſſen eine andere Wendung