Jahrgang 
1 (1864)
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118 Fortſchritte der Zeit.

ehrte, gab ſich jetzt dem Strome der Seligkeit, der ſie umflutete, willig hin. Ihre Zurückhaltung ſchwand. Es wäre kindiſch geweſen, ferner den Augen zu verbieten, das auszuſprechen, was überwältigend für ihr junges Herz wurde. Sie erhob die geſenkten Lider und richtete ihren Blick voll und herzig auf den jungen Mann.

„Ich habe mit meinem Gewiſſen gerungen,“ flüſterte ſie ganz unbe⸗ ſchreiblich reizend erröthend.„Seien Sie mein Gewiſſensrath, leiten Sie mich zum rechten Pfade— ſchreiben Sie mir den Weg vor, den ich wan⸗ deln muß um nicht Gottes Zorn zu wecken— ich fürchte, daß ich nicht richtig gehandelt habe, als ich mit Schlauheit das zu erreichen ſuchte, was mir des Vaters Hartnäckigkeit verſagte— ich fürchte, daß ich mich an ſeiner Liebe verſündigt habe und dadurch gewiſſermaßen eines Anrechtes auf eigenes Glück verluſtig gegangen bin. Wollen Sie alles hören, was ich geſagt und gethan habe?“

„Nein, Vally!“ erklärte Juſtus feierlich.„Es würde Mißtrauen in Ihren Charakter verrathen, wollte ich Ihre Auseinanderſetzungen eher hören, als Sie mit ganzem Herzen meine Braut ſind. Wenn Ihres Vaters Segen meine tiefe, heilige Liebe zu Ihnen krönt, dann ſollen Sie mir alles ſagen. Wollen Sie?“—„Ja!“ rief Vally mit überſtrömender Wonne.„O, wenn mein Vater, wenn Sie mir dann verzeihen, dann gehe ich dem Glücke mit ſtolzer Zuverſicht entgegen.“— Auge in Auge tauſchten ſie einen Schwur für's Leben, aber weder Kuß noch Händedruck erlaubten ſie ſich. Der erſten Seligkeit genügte der Blick und ſie ent⸗ ſagten der innigen Liebkoſung in dem gerechten Stolze einer ungewöhnlichen Seelenreinheit bis des Vaters Segen ihren Bund geheiligt haben würde.

Jetzt begann auch Arthurs Humor zu ſpielen. Er hatte bis dahin hochachtungsvoll geſchwiegen und ſeinem Freunde die Heiligkeit der Mi⸗ nute nicht ſtören wollen, obwohl er ſehr geneigt war, eine Liebeserklärung mit etwas frivoleren Blicken zu betrachten wie Juſtus. Er nahm den Moment wahr, der einen Schluß des halblaut geführten Geſpräches ver⸗ rieth, und fragte Vally nach dem Verlaufe der angeknüpften Verkaufs⸗ unterhandlungen, von denen er während deſſen durch ſeine Couſine in Kenntniß geſetzt worden war. Die Sache hatte ſeinen Beifall nicht ge⸗ wonnen, ſondern ſogar ein Kopfſchütteln hervorgerufen.„Iſt's wahr?“ fragte er die junge Dame eiſrig,„ein Baron kauft Ihr Gut? Wie heißt er? Wo iſt er anſäſſig geweſen?“— Vally mußte eingeſtehen, dies nicht zu wiſſen, da der Herr Baron ſich erſt entſcheiden und erſt auch nennen