Von Ernſt Fritze. 117
wieder zu ſehen, und ihre freudige Theilnahme hätte ſie wahrſcheinlich der Freundin entgegen getrieben, wenn nicht der beſtimmte Wunſch des jungen Bewerbers ſie zurückgehalten.
Der Ueberraſchung wollte Juſtus ein wortloſes Geſtändniß verdanken. Vally's Herz ſollte laut ſprechen im Zittern und ſchämigen Erröthen. Ihm, dem ſchwärmeriſch gefühlvollen Manne, war dieſe Sprache eine größere Wonne, als klare Worte des Geſtändniſſes.
„Sie haben meiner gedacht?“ war ſein Erſtes, was er ſprach. Vally ſenkte den Blick vor dem ſeinen, der ſeine tiefe Zärtlichkeit ſo deutlich verrieth.—„Sehr oft,“ antwortete ſie mit der Ehrlichkeit eines unſchul⸗ digen Herzens.—„Sind Sie irre an mir geworden?“ fragte er leiſer und inniger.— Vally blickte auf. Ein unbeſchreibliches Gefühl durch⸗ zuckte ſie. Nicht Liebe nicht Leidenſchaft, nicht die Verwirrung der Sinne war es, was ſie beben machte, nein— ihr war zu Muthe, als ſtände ſie vor Gott und müſſe ſich ſeiner göttlichen Barmherzigkeit empfehlen. „Dieſe Frage möchte ich Ihnen wiederholen,“ antwortete ſie freimüthig und entſchloſſen.— Er lächelte zärtlich.—„Wiſſen Sie, daß ich durch ſchlaue Ueberredung meinen Vater beſiegt habe?“ fragte ſie und ihre Stimme zitterte leicht. Er ergriff ihre Hand. Sie war kalt, denn ihre
innerliche Aufregung hemmte das Blut in ſeinem Laufe.—„Vally!“ flüſterte er.„Erſcheint Ihnen das jetzt als Sünde?“—„Ja! Mein Vater leidet unter meinem Triumphe,“ ſprach ſie traurig.—„Ihr Vater
iſt hart und ſtreng— er hätte auf andere Weiſe nicht zur Nachſicht gegen Ihre Wünſche gebracht werden können?“ fragte Juſtus bewegt.— „Dann wäre es aber Kindespflicht geweſen mich ihm zu unterwerfen—“ ſprach ſie noch trauriger.„Er leidet durch meine Selbſtſucht.“
„O, Vally— nennen Sie es nicht Selbſtſucht, denn Ihre Wünſche beſeligen ja auch einen andern Menſchen, als Sie ſelbſt,“ entgegnete er feurig.„Räumen Sie doch dem Gefühle, das Sie anleitete Ihres Vaters Widerſtand zu brechen, wenigſtens ſo viel Macht ein, wie Sie der Tochter⸗ liebe gewähren wollen. Iſt Ihnen meine Seligkeit nichts— gar nichts? Vally— Gott ſelbſt ſtellt die Liebe des Weibes und Mannes höher als Elternliebe, denn er gebietet, daß das Weib Vater und Mutter verlaſſen ſolle um dem Manne zu folgen.“ Er führte ihre Hand an ſeinen Mund die Sprache verſagte ihm, als er an dieſe Worte das freie Geſtändniß ſeiner tiefen, zärtlichen Neigung zu ihr knüpfen wollte. Vally, frei ge⸗ ſprochen von dem Manne, den ſie nicht allein liebte, ſondern auch ver⸗
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