Von Ernſt Fritze. 115
Tritt, ließ ſeinen Blick flüchtig über ſämmtliche Inſaſſen gleiten und ſprang wieder hinab.— Was ſollte das bedeuten? War dies Abſicht? War es Zufall? Wappler grübelte darüber nach bis der Zug in ſeiner Vater⸗ ſtadt hielt. Jetzt beruhigte ſich ſein Gemüth, denn er machte die Be— merkung, daß ſich die beiden jungen Juriſten durchaus nicht nach ihm um— ſahen.— Lachend erzählte er dem Baron die Begebenheit, wurde aber unangenehm überraſcht, als dieſer mit einiger Beſtürzung ausrief:„Und in meinem Waggon hat der Referendar Reviſion gehalten? Das iſt kein Zufall geweſen!“ Fünftes Kapitel. Wo der nur geweſen ſein mag?
„Wo der nur geweſen ſein mag?“ hatte Wappler zu ſeinem Gefähr⸗ ten geſagt, als er den Aſſeſſor Juſtus Hagedorn bei ſich vorüber gehen ſah.— Um dieſe Frage ganz ordnungsmäßig beantworten zu können, wird es nöthig ſein, zu dem Zeitpunkte zurückzukehren, wo Fräulein Vally Gerold ihr väterliches Haus mit ſchwerem Herzen verließ, um nicht mit den Käufern des Gutes zuſammen zu treffen.
Ja, ſchweren Herzens hatte ſie ihren Vater verlaſſen und der friſche, heitere Frühlingsmorgen verſchwendete lange Zeit vergeblich ſeine Reize, um das arme Mädchen, das von Gewiſſensbeängſtigungen heimgeſucht wurde, zu zerſtreuen. Raſch verfolgte Vally ihren Weg, der ſie eine kleine Weile durch keimende Felder führte, um ſich dann durch ein kleines Gehölz bis zum Pfarrhauſe mit ſeinem ſchönen Garten zu ſchlängeln. Ihr Herz verlangte nach dem Herzensaustauſche mit ihrer Freundin, die eine Vertraute jedes Gedankens war, nur nicht desjenigen, der ſich auf Juſtus Hagedorn bezog. Eine erklärliche Schüchternheit hatte ſie bis jetzt abgehalten, auch nur den Namen zu nennen, der ihr Herzblut wallen machte. Welch' ein Recht hätte ſie denn auch gehabt, dieſes Namens Erwähnung zu thun? Nur einige Male waren ſeine Blicke wortloſe Verräther eines aufkeimenden Gefühles geweſen, nur in der erſten Zeit ihrer Bekanntſchaft hatte er mit der Glut einer ungewöhnlichen Aufregung jede Gelegenheit benützt, ſich ihr zu nähern, dann aber war eine ſchmerz⸗ liche Betroffenheit ſichtbar geworden und er hatte mit edler Zurückhaltung dem Kreiſe ſich genähert, wo ſie zu finden war.
Ganz unbekannt mit dem Grunde dieſes veränderten Benehmens
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