Jahrgang 
1 (1864)
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114 Fortſchritte der Zeit.

ich kaufe es doch nicht!“—„Iſt auch gar nicht nöthig, denn Müller iſt ſchon einem Käufer auf die Spur, der baar bezahlen kann.“—„Nun dieſer Käufer muß beinahe ſo unſchuldig ſein, wie unſer Amtmann,“ ſpöttelte der Baron.—„Laß gut ſein, das Haus präſentirt ſich wirklich außerordentlich gut. Müller hat viel daran gewendet.“

Sechsſilbergroſchentapeten gekauft und ſie über den Jahrhunderte alten Schmutz kleben laſſen, dann hat er die Dielen, die ſo morſch ſind, daß ſie unter einem tüchtigen Männerhacken zuſammenbrechen, mit Oelfarbe bepinſeln laſſen und zwar ſo dünn, wie's nur ging. Ich kenne die Gründ⸗ lichkeit ſolches Baues. Einen Dummkopf kann er damit freilich narren.“ —„Dumm, aber reich müſſen begreiflicherweiſe alle Geſchäftsleute ſein, mit denen wir verkehren,“ ſprach Wappler lachend.„Du ſcheinſt dem kleinen, klugen Müller eben nicht gewogen zu ſein?“—„Nein! Ich traue ihm nicht! Und dann ärgert es mich auch, daß ihm alles glückt, was er beginnt,“ ſagte der Baron ärgerlich.„Ich kann die glücklichen Menſchen nun einmal nicht leiden!“

„So geht mir's accurat!“ rief Wappler.„Deßhalb habe ich auch gar nichts dagegen, wenn Müller den Maurer Hoffmann, der das unver⸗ ſchämte Glück gehabt hat, ein Viertel vom großen Looſe zu gewinnen, etwas leichter macht, indem er ihm ſein ſchönes Prachthaus verkauft.“— „Iſt das derſelbe Maurer Hoffmann, der ſo vorſichtig iſt ſein Geld in die Bank zu legen und ſich nur mit den magern Zinſen zu begnügen?“ fragte der Baron, nachdem er zuerſt einen verzweiflungsvoll anklagenden Blick zum klaren Himmelsgewölbe hinaufgeworfen hatte.„Warum haben wir nicht das Glück ſolchem Maurer auf unſern Geſchäftswegen zu be⸗ gegnen. Gibt es denn für uns bei dieſem Maurer nichts mehr zu thun?“

„Wollen ſehen!“ antwortete Wappler gravitätiſch.„Erſt muß er das Haus gekauft haben, dann verſuchen wir unſer Heil mit Papieren. Aber da kommt der Zug. Attention, Herr Baron!“ Er verbeugte ſich ehrfurchtsvoll und verbindlich gegen ſeinen Helfershelfer und entfernte ſich gefliſſentlich ſehr weit von ihm. Der Baron ſtieg in einen Waggon zweiter Klaſſe— Wappler ſchlich behutſam in einen Waggon dritter Klaſſe 6 und drückte ſich dort in eine Ecke, von wo aus er die Einſteigenden be⸗ obachten konnte. Eine gewiſſe Furcht ſchärfte ſeine Aufmerkſamkeit, und dieſe Furcht zeigte ſich nicht unbegründet, denn gerade im Momente, wo der Wagen geſchloſſen werden ſollte, trat der Aſſeſſor Hagedorn auf den

„O ja! Wir kennen das,“ unterbrach ihn ſein Freund.„Er hat