Jahrgang 
1 (1864)
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Von Ernſt Fritze. 113

ſcheinbar achtlos an ihm vorüber und verſchwanden ſogleich in der Re⸗ ſtauration der Station.

„Das war ein verwünſchter Zufall!“ murmelte Wappler ärgerlich. „Der Aſſeſſor und der Referendar, die einzigen Menſchen, die wir bei unſerm Geſchäfte hier zu fürchten haben.“—„A bah! Sie kennen uns ja nicht!“ ſprach der blaſſe Baron.„Sie gingen arglos vorüber!“ —„Glaub' doch das nicht! Der Aſſeſſor iſt ein kluger Mann! Wo der nur geweſen ſein mag?“—„Wie? Neulich kannteſt du ſie beide doch noch gar nicht?“ fragte der Baron neugierig.—„Habe ſeitdem die Ehre gehabt einen Termin vor dem geſtrengen Herrn zu haben. Dem Aſſeſſor macht es förmlich Vergnügen, einen rechtſchaffenen Kaufmann als Betrüger darzuſtellen, weil er von ſeinem Vortheile lebt. Er ſetzte mir mit der größten Ruhe auseinander, daß man von Rechts wegen als Spitzbube behandelt werden müſſe, wenn man Contracte mache, die man nicht willens ſei zu halten. Erfährt dieſer Aſſeſſor etwas von unſerm heutigen Handel, der ihn mit betrifft, da er Luſt zu des Amtmanns Töch⸗ terlein hat, ſo ſind wir geliefert. Deßhalb alſo— attention cher Baron! Wir trennen uns jetzt. Du gehſt, als Baron, nach einem Coupé zweiter Klaſſe— ich ſteige in einen Waggon dritter Klaſſe. Wir laſſen uns nicht wieder in dieſer Gegend zuſammen blicken, um jeden Verdacht zu meiden. Der kleine Müller iſt von mir beauftragt aufzuräumen. Dieſer Kerl verſteht ſeine Sache aus dem Grunde. Er weiß immer rechtſchaffene Käufer aufzutreiben, die gern billig kaufen und baar bezahlen. Paß auf, Baron— nicht vier Tage und es iſt kein lebendiges Bein mehr in den Ställen des Gisfelder Gutshofes.

„Wenn Müller nur zuverläſſig iſt!“ wendete der Baron ein.„Ich traue ihm nicht. Er kann ſich zu ſehr verſtellen und aus Liebe dient er

uns nicht!“—„O, er hat ſeinen Vortheil davon und für zehn Thaler läuft der Kleine ſich die Füße wund!“—„Er handelt ja wohl mit Häuſern?“ fragte der Baron lachend.—„Jawoll! Er handelt immer

ehrlich, immer offen— der verſteht es Geſchäfte zu machen!“—„Ja,

ja! Das alte Haus an der Breitenſtraße, ein wahres Neſt voll Unge⸗

ziefer, das mit dem Einſturz drohete, hat er reſtauriren laſſen,“ fiel der

Baron ein.—„Was verſtehſt denn du davon, Baron? Das iſt ja ein

Prachthaus geworden, ein wahrer Palaſt!“ rief Wappler.— Sein Freund

machte eine abwehrende Bewegung und entgegnete:„Nur keine Reclame— Hausblätter. 1864. I. Bd. 8