Jahrgang 
1 (1864)
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112 Fortſchritte der Zeit.

Wagen bis zur Station Troppau zu begleiten. Froher gelaunt hatte noch niemand den ſtrengen Herrn und Gebieter in den Wagen ſteigen ſehen, als an dieſem Tage. Er fand ſichtlich Gefallen an ſeinen Gäſten und zeigte ſich vollkommen zufriedengeſtellt mit dem, was ihm erſt den Verkauf ſeines Gutes verleidet hatte. Es trieb ihn ordentlich ſeiner Toch⸗ ter Vally das Ergebniß ſeiner Unterhandlungen mitzutheilen, deßhalb be⸗ ſchloß er von der Eiſenbahn gerades Weges nach dem Pfarrhauſe zu eilen, wo Vally weilte, und dieſelbe wieder abzuholen. Er brannte vor Ver⸗ langen, ihr ſeine Zufriedenheit zu zeigen. Woraus dieſer Wunſch ent⸗ ſtand, wußte er nicht, da er es ſich ſelbſt nicht zugeſtehen wollte, daß er ſeine Heimat auf's Spiel geſetzt, um der Liebe willen, die er zu Vally hatte. Was er ſonſt noch dabei verlieren könne, würde er aus dem Ge⸗ ſpräche der beiden Käufer errathen haben, wenn es ihm vergönnt ge⸗ weſen wäre, dasſelbe zu belauſchen. Aber der Himmel hatte es anders mit ihm im Sinne. Er ſollte nicht eher den Kelch der bittern Erfahrung an ſeine Lippen ſetzen, bis dieſer Kelch wohl gefüllt war.—

Herr Wappler und ſein cher Baron gingen in der beſten Freund⸗ ſchaft, gemüthlich plaudernd auf dem Perron der Eiſenbahn hin und her, des Zuges gewärtig, der ſie mitnehmen ſollte. Sie ließen die ſtattge⸗ fundenen Verhandlungen mit dem Amtmann Gerold an ihrem Geiſte vorübergehen und wunderten ſich ſelbſt darüber, daß es ihnen ſo leicht gelungen war, einen Mann zu überliſten, der keineswegs dumm, aber

viel zu ehrlich zur Schlauheit und zum Mißtrauen war.—„Die Sache geht vortrefflich,“ ſagte Wappler vergnügt.—„Laß uns nur eilen, ehe

ſich ein guter Freund findet, der den Amtmann warnt,“ meinte der blaſſe Baron.—„O, die Schafe ſind ſchon verkauft,“ flüſterte Wappler ſchlau lächelnd.— Der Baron ſah ihn ungläubig an.„Die Schafe? An wen denn?“ fragte er lachend.

„An den kleinen ſoliden Müller, der immer an der Thür ſitzt und Beilagen lieſet!“ flüſterte Wappler zurück. Plötzlich fiel ſein Auge auf ein paar Herren, die auf einem Feldwege daher kamen. Mit einem Augenwinke benachrichtigte er ſeinen Freund von einer nahenden Gefahr und wendete ſich dann ganz ab von ihm um mit affectirter Aufmerkfam⸗ keit nach dem Zuge zu ſpähen. Der Baron drückte mit Gewandtheit die große Krücke ſeines Spazierſtockes gegen ſein Kinn und ſchob mit merk⸗ würdiger Geſchicklichkeit ſein Geſicht dermaßen zuſammen, daß es ganz unkenntlich wurde. Währenddeß ſchritten die beiden Herren raſch und