Jahrgang 
1 (1864)
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Von Ernſt Fritze. 111

es viel Güte von mir iſt, für Ihren Unterhalt hier und für Ihre Woh⸗ nung gar nichts zu fordern.“—„Dagegen poofitiren Sie von meiner Verwaltung eines Grundſtückes, das ich genau kenne. Mein Vortheil iſt geringer als der Ihrige. Aber ich ſtelle dies Verlangen nicht meines Vortheils wegen auf. Es iſt eine Art Ehrenpunkt, daß ich nicht eher gehen mag, als es nach meinen Begriffen ſchicklich iſt. Unſer gegenſeitiges Ehren⸗ wort haftet für die gegenſeitige Erfüllung der übernommenen Verpflichtung.“

„Jawoll, jawoll!“ rief jetzt Wappler.„Herr Baron— was dem Einen recht iſt, das iſt dem Andern billig. Ein ſtilles Uebereinkommen iſt auch ein Contract. Wir ſind Eigenthümer oder wir heißen Eigen⸗ thümer— was thut's? Man kann Ihnen ja auch einen Gefallen thun, Herr Amtmann. Es iſt alſo alles in beſter Ordnung. Das Inventarium iſt aufgenommen und in zwei Abſchriften vorhanden. Eins verwahren Sie Herr Baron— eins erhält Herr Gerold. Die Wechſel ſind feſtge⸗ ſtellt. Der erſte Wechſel von zehntauſend Thalern iſt fällig acht Tage nach dem Verkauf, reſpective Uebergabe insgeheim. Vier Wochen ſpäter abermals ein Wechſel von zehntauſend Thalern und ein Vierteljahr darauf die dritte und letzte Zahlung. Dann verlaſſen Sie alſo Gisfelde, Herr Gerold?“—„Wenn es ſonſt nicht des Herrn Barons Wunſch iſt, mich bis zu ſeiner Rückkehr hier wohnen zu laſſen, meinte der Amtmann, durch die Wendung der Verhältniſſe günſtiger geſtimmt.—„J man nicht! Wir wollen ſchon ohne Sie mit Gisfelde fertig werden!“ rief Wappler leichtfertig lachend.„Bis dahin läuft noch ſo viel Waſſer bergab, daß Gisfelde untergehen kann!“

Der Amtmann nahn ſich nicht die Zeit über dieſe zweideutige Be⸗ merkung nachzudenken. Er belächelte ſie mit der Weisheit eines beſon⸗ nenen Mannes und ging nun ſpecieller auf die Verkaufsangelegenheit ein. Da die Herren im weſentlichen einig waren, ſo überſahen ſie rückſichts⸗ voll die Punkte, wo ſie nicht einer Meinung zu ſein ſchienen. Nach und nach wurden ſie gewiſſermaßen ganz gute Freunde. Nachdem ſie alle Ställe beſucht, das Vieh taxirt und die Ausſichten auf die nächſte Ernte gründlich beſprochen hatten, nahmen ſie Platz an einer wohlbeſetzten Mit⸗ tagstafel und ſpeiſten mit abſonderlich gutem Appetite. Gleich nach dem Mittagsmahle durchwanderten ſie die Obſtplantagen, beſichtigten die Schä⸗ ferei und kehrten erſt wieder in's Amthaus zurück, als die Sonne ſich zu neigen begann. Jetzt rüſteten ſich die beiden Herren zur Abfahrt nach der Eiſenbahn, und der Amtmann ließ es ſich nicht nehmen, ſie in ſeinem