110 Fortſchritte der Zeit.
ich keineswegs geſonnen bin, meine Eigenthumsrechte irgendwie geltend zu machen, mag Ihnen aus dem Umſtande klar werden, daß ich bis zum Spätherbſte abweſend ſein werde und dann erſt mein Gut zu bewohnen gedenke. Es wäre alſo unſer Contract nur ein Act pro forma und hätte danach die Ihnen widerwärtige Klauſel gar nichts weiter zu bedeuten, als daß ich mich als Eigenthümer von Gisfelde präſentiren könnte.“
Der Amtmann horchte ſcharf auf. Das war ihm verſtändlicher, als als alle andern Redensarten, die bis jetzt zur Ueberredung gebraucht wor⸗ den waren.„Wie? Verſtehe ich recht, Herr Baron?“ fragte er wärmer und lebendiger.„Es wäre alſo nichts weiter, als ein Scheineigenthum, das Sie damit erreichen wollten? Ich könnte vielleicht eine Gegenklauſel anbringen?“—„Laſſen Sie hören, lieber Mann,“ ſprach der Baron ſehr gütig.—„Wenn ich Ihnen das Eigenthumsrecht über meine Beſitzung ſogleich nach Abſchluß des Contractes einräumen ſoll, ſo verlange ich da⸗ gegen das Recht, hier bis zur letzten Zahlung wohnen bleiben zu dürfen!“
ſagte der Amtmann ernſt.—„Wenn Sie weiter nichts verlangen!“ rief der Baron heiter.„Ich könnte ja keinen beſſern Aufſichtsbeamten wün⸗ ſchen!“—„Aber— beachten Sie wohl, Herr Baron— ich wohne ohne
Entſchädigung zu geben und bedinge mir die Freiheit, mich um alles be⸗ kümmern zu dürfen. Auch dulde ich keine Aufſicht von dem Herrn Wappler — Summa— Summarum— ich bin und bleibe Amtmann Gerold auf Gisfelde bis zur Zahlung des letzten Wechſels von zehntauſend Thalern und Sie heißen zum Scheine Gutsbeſitzer von Gisfelde bis zu dieſer Zeit.“
Die beiden Fremden wechſelten einen Blick, worin zu leſen war, daß ſie alle beide weiter gar nichts gewollt hatten, als dieſes. Gerold ſah dieſen Blick in ſeiner Aufregung nicht. Wohl aber bemerkte er, daß der Baron ſehr nachdenklich ſeine Stirn ſenkte, den Kopf in die Hand ſtützte und in finſterem Schweigen dieſen Vorſchlag zu erwägen ſchien. Herr Wappler ſchwieg ebenfalls, ſtützte ebenfalls den Kopf in die Hand und blinzelte durch die Finger nach dem Hofe hinaus, wo ein Rudel Ochſen, mit dem Schweife ſchlagend und die Hörner kühn gen Himmel ſtreckend, ſtattlich und wie zur Schau, nach dem Stalle gingen.
„Sie können mir eine Falle ſtellen, Herr Gerold,“ begann der Baron milden Tones, indem er ſein ſchläfriges Auge erhob und es wie in der Anwandlung kindlichen Vertrauens zu Gerold emporrichtete,„aber ich will Ihnen vertrauen. Sie ſelbſt müſſen einſehen, daß es viel gewagt i*ſt, einem ehemaligen Beſitzer überall freien Paß zu gewähren, und daß
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