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106 Fortſchritte der Zeit.
Im Hauſe ſelbſt herrſchte das ängſtliche Schweigen der Erwartung. Jeder war auf die Ankunft des Mannes begierig, der künftighin als Herr hier aufzutreten das Recht gewann. Es war alles feſtlich zugerichtet. Die Ställe waren geſäubert, die Pferde geſtriegelt, die Schafe geglättet und der Hof gefegt. In der Küche waltete die alte Müller mit vollem Amtseifer. Der Duft kräftiger Speiſen quoll daraus hervor und erfüllte das ganze Haus. Einladend dampfte der friſchgebrannte Kaffee, und die Oefen der Wohnzimmer waren dergeſtalt geheizt, daß man Thüren und Fenſter aufſperren mußte.
Und alles das geſchah zu Ehren des Mannes, der Gisfelde zu kauſen geſonnen war. Vally vermochte die Vorbereitungen zu einem Empfange, der ihres Vaters Stirn mit finſtern Wolken bedeckte, nicht länger zu er⸗ tragen. Sie fühlte ſich ſchuldig an dieſem Seelenkampfe. In den letzten Tagen hatte ſie verſucht, den Entſchluß ihres Vaters rückgängig zu machen, war aber nun zu ihrem Leidweſen auf ſo ſchroffen Widerſtand geſtoßen, daß ſie kein Wort wieder wagte. Gepeinigt von ihrem Gewiſſen, das ſie als Urheberin dieſer wirthſchaftlichen Verwirrung anklagte, und halb ärgerlich über die Umſtände, die man wegen der fremden Herren für noth⸗ wendig erachtete, verließ ſie das Haus, um die Zeit, wo ſie das Eintreffen der Fremden erwarten konnte, und eilte von einem kleinen Burſchen be⸗ gleitet zu einer Freundin, deren Vater Prediger auf dem nächſten Dorfe war.
Kaum hatte ſie das Haus verlaſſen, ſo fuhr eine Equipage vor und Herr Wappler ſprang mit der größten Beweglichkeit und Eile aus der⸗ ſelben, um ſogleich ſeinem Begleiter ehrerbietigſt herauszuhelfen.
Der Amtmann Gerold erſchien auf der Schwelle ſeines Hauſes. Ernſter hatte er noch nie ein paar Gäſte empfangen und kühler noch nie ſeinen Kopf zum Gruße geneigt. Finſter ruhete ſein Blick auf den zuletzt ausgeſtiegenen Herrn, den Herr Wappler unter verbindlichem Lächeln als den Herrn Baron von Ekertsberge vorſtellte und zugleich andeutete, daß dies der zukünftige Herr von Gisfelde ſei.„Das heißt, mein Herr Ba⸗ ron,“ entgegnete der Amtmann ernſt und gemeſſen,„wenn wir uns über die Punkte zu einigen vermögen, die noch in Frage ſchweben.“—„Na⸗ türlich! Natürlich!“ ſprach der Baron in ſanftem, gelaſſenem Tone.— Und Herr Wappler reckte und ſchüttelte ſich, indem er ausrief:„Dies Verſtändniß wird leicht genug werden, wenn wir Ihnen allen Willen thun!“
Während er ſich nun nach allen Seiten umſah und etwas ſchnüffelnd die Düfte der Küche einſog, führte der Amtmann den Baron in das


