Von Ernſt Fritze. 105
Mine Fru, die Ilſebill, will nich ſo wie ik woll will. Wat will ſe denn? Sie will Kaiſer werden! Geh' man hin— ſe is ſchon Kaiſer—“ lachend unterbrach er ſich und nickte ſeiner Tochter bedeutſam zu, als wolle er ſagen:„ſo dumm wie Hans Dudelde ſind wir aber nicht.“
Alwine aber ſeufzte, legte die Hand über die Stirn, als quäle ſie ein trüber Gedanke und antwortete:„Mir iſt's ſeit einem Jahre zu Muthe, als träume ich nur lebhaft und als würde ich eines Tages aufwachen und dann ſehr, ſehr unglücklich ſein!“—„Das möge Gott verhüten!“ ſprach ihr Vater mit ſtark aufgeregter Stimme.—„In letzter Nacht träumte mir ſogar, ich ſei ſchon erwacht und fühle einen nagenden Hunger. Wild umblickend ſah ich an der Erde eine Brodrinde liegen, nahm ſie auf, biß heftig hinein und brach mir die Zähne daran ab.“—„Alwine!“ ſchrie ihr Vater, ſie an ſich reißend. Der Angſtſchweiß ſtand ihm vor der Stirn.„Herr Gott im Himmel, wie kannſt du ſo fürchterlich träu⸗ men!“—„O, wenn es ein Traum bleibt, bin ich ſchon zufrieden,“ ſprach das ſonſt ſo leichtherzige Kind mit bewegtem Tone.„Aber in der Wirk⸗ lichkeit wieder arm und dann verachtet zu werden— Vater, das er⸗ trüge ich nicht!“
Viertes Kapitel.
Herr Wappler und ſein Freund.
Tiefſinnig durchſchritt der Amtmann Gerold am Morgen des erſten April ſein Zimmer, uneinig mit ſich ſelbſt und ärgerlich auf die ganze Welt. Schon ſeit einigen Tagen war er in Unterhandlungen wegen ſeines Gutsverkaufes getreten und dieſe ſchienen nun ſo weit gediehen, daß ein Abſchluß des Handels gar nicht mehr zweifelhaft war.
Der Unterhändler bei dem Geſchäfte war ein Herr Wappler, der ſich als ein conceſſionirter Commiſſionair ausgewiefen hatte. Der Käufer wollte nicht eher genannt ſein bis die Sache zum Schluß gekommen und die Zahlung nöthig war. Ruhig hatte der Amtmann bis dahin die Einleitungen zum Verkaufe überblickt. Es war ihm auch nicht einen Augenblick leid geweſen, den Entſchluß gefaßt und ſo weit ausgeführt zu haben. Um ſo bemerkenswerther mußte es allen, die um ihn lebten, er⸗ ſcheinen, daß er mit ſeltſamer Beklommenheit dem Tage entgegen ſah, wo Herr Wappler mit dem fraglichen Käufer eintreffen ſollte, um den entworfenen Contract zu vollziehen und ihn durch gegenſeitige Unter⸗ ſchriften gültig und bindend zu machen.


