Jahrgang 
1 (1864)
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104 Fortſchritte der Zeit.

ſie den Modenärrinnen der Stadt die größten Thorheiten nach und kannte keinen größeren Triumph, als koſtbarer gekleidet zu gehen, als ihre ehe⸗ malige Herrin, die Frau Bürgermeiſterin. Eine hübſche Figur und eine gewiſſe Grazie, die ihr angeboren war, unterſtützte ſie in dem Beginnen ſich zur Dame auszubilden, und ſie entwickelte ſeitdem, daß ſie nicht mehr ſelbſt zu arbeiten brauchte, eine ſo ſcharf ausgeprägte Neigung zur Rein⸗ lichkeit und Sauberkeit, daß ihr faſt nicht genug darin gethan werden konnte. In der That, bei Madame Hoffmann konnte man ſehen, daß Reichthum eben ſo ſchnell Tugenden entwickeln kann, als Armuth Laſter. Schnell bereit, den Platz in der Geſellſchaft einzunehmen, den man ihr ihres gewonnenen Geldes wegen bot, hatte ſie auch bald Dreiſtigkeit ge⸗ nug ihn zu behaupten.

Als im Laufe des Geſpräches das Project mit Gisfelde zu Tage kam, erklärte ſie auf's beſtimmteſte, niemals auf's Land ziehen zu wollen und wenn ihre Tochter auch dadurch eine gnädige Frau werden könne. Bereitwilliger ſchien ſie auf einen Umzug in die Stadt einzugehen, der ihrer Bequemlichkeitsliebe und ihrer Eitelkeit zugleich zuſagte. Eine aus⸗ ſchweifende Vergnügungsſucht ſtimmte ſie günſtig für einen Aufenthalt, wo ſie täglich Gelegenheit fand ſich angenehm zu zerſtreuen und es ge⸗ ſchahe zum erſtenmale, daß ſie ſich mit weiſer Miene zu den Berathungen für die Zukunft herabließ.

Alle drei waren ſehr bald darüber einig, daß ſie ſo ſchnell wie thunlich nach der Stadt überſiedeln wollten, aber in einem Punkte blieben ſie uneinig, bis Herr Chriſtoph Andreas Hoffmann, ermuntert von den auffordernden Blicken ſeiner Tochter, endlich durch einen Machtſpruch allen Einwendungen ſeiner Frau ein Ende machte und feſt erklärte: das Haus, worin ſie jetzt wohnten, ſolle nicht verkauft, ſondern nur an eine anſtän⸗ dige Familie vermiethet werden, damit er für alle Fälle ein Aſil für’s Alter habe, wenn ſich die Verhältniſſe ändern ſollten. Dabei blieb es, trotzdem die Dame Hoffmann murrte und von der Wahrheit ſprach, daß man niemals in ſeiner Vaterſtadt gewürdigt werde und wenn man auch als Kaiſerin dahin zurückkehre, wo man Stubenmädchen geweſen ſei.

„Sei unbeſorgt,“ gab ihr der graubärtige, häßliche Mann mit einem Lächeln voll Humor zur Antwort,„ehe du als Kaiſerin hier einziehen könnteſt, möchte es ſich ereignen, daß du gleich der Frau Hans Dudelde im Märchen, wieder in unſer Hüttchen kriechen mußt. Wie war's, Al⸗ wine: Puttche, Puttche in de See? Was willſt du lieber Hans Dudelde?