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Von Ernſt Fritze. 10
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auch Gisfelde in Augenſchein nehmen wollte.“—„Nun, wollte denn dieſer Mann kaufen?“ fragte Alwine.
„Nicht für ſich, Kindchen— nein, er gab ſich mir als Güteragent zu erkennen und bot mir ſeine Hülfe beim Kauf an. Ich ließ mich in ein Geſpräch mit ihm ein und erzählte ihm, daß ich zur Sicherheit mei⸗ nen Gewinn ſofort in der königlichen Bank niedergelegt habe. Er lobte meine Bedachtſamkeit. Da könne mir niemand etwas davon ſtehlen, meinte er. Als ich ihm vertrauete, daß ich Luſt zu Gisfelde habe, rieth er mir, nicht ſelbſt in Verhandlungen zu treten, ſondern es ihm zu über⸗ tragen. Er verlangte dafür nur hundert Thaler und leiſtete mir das Verſprechen, meine Sache ſo zu führen, daß ich tauſend Thaler Gewinn hätte. Dabei ſchlug er mir vor, daß ich doch lieber in die Stadt ziehen und dort mit meinem Gelde ſpeculiren ſolle. In zwei Jahren könne ich mit dreißigtauſend Thalern hunderttauſend erwerben.“—„Oder auch dreißigtauſend verlieren,“ ſprach die Tochter mit einer Feſtigkeit, die ein ebenſo raſches, wie klares Verſtändniß der Sache verrieth.
„Nun, Kindchen, ich würde dergleichen nie allein unternehmen! Aber der nette Mann, der ungeheuer viel Erfahrung zu haben ſchien, bot ſich mir zum Compagnon an. Wir wollten Häuſer kaufen, zurecht bauen und wieder verkauſen, dabei ſei mancher Rechtsanwalt ſchon ganz im Ge⸗ heimen zum reichen Manne geworden, und er habe ebenſoviel Erfahrung, wie ein Rechtsanwalt. Ich ſage dir, Alwine, es war ein allerliebſter Mann und ſo geſcheut, wie ich ſelten jemand geſehen habe.“—„Du haſt ihm keine Verſprechungen geleiſtet?“ fragte Alwine mit einem An⸗ fluge von Sorge.—„Nein. Aber ich habe ihn gebeten hieher zu kommen, um mir Beſcheid über Gisfelde zu bringen,“ antwortete Herr Chriſtoph Andreas mit ſeitwärts geſenktem Kopfe.— Alwine ſchwieg. Ihr Mienenſpiel ließ errathen, daß ſie hier ſchon dafür ſorgen werde, den klugen netten Mann nicht über ihres Vaters Geldbeutel kommen zu laſſen, denn daß er es darauf abgeſehen habe, ſchien ihr nur allzugewiß.
Ihre Mutter, die einer Gevatterin einen Beſuch abgeſtattet hatte, ſtörte durch ihre Dazwiſchenkunft dies Geſpräch. Sie trat, ſtattlich, wie eine Dame angethan, in's dunkel werdende Zimmer und fragte, nach der allerkürzeſten Begrüßung ſogleich nach einigen Putzgegenſtänden, die mit⸗ zubringen ſie ihrem Manne aufgetragen hatte. Frau Hoffmann war ganz ſichtlich die einzige der kleinen Familie, welche Anlage genug zur Rolle einer Perſon von Stande hatte. Ohne die geringſte Schwierigkeit ahmte


