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Taſchenbuch und ſchlug es auf.„Siehſt du, ich habe mir alles notirt um es ja nicht zu vergeſſen. Dreißigtauſend Thaler ſollen angezahlt werden— die andern dreißigtauſend bleiben ſtehen und werden verzinst.“ —„O Vater— da wären wir ja jemand etwas ſchuldig!“ rief das junge Mädchen in einem Anfalle von Entſetzen.„Um Gotteswillen nicht Vater— nein, lieber bleiben wir in unſerm Häuschen, wo jeder Stein und jeder Dachſparren unſer Eigenthum und bezahlt iſt.“
Herr Chriſtoph Andreas Hoffmann ſenkte den Kopf ein klein wenig. Er that dies immer in dem Falle, wenn er einſah, daß ſeine Tochter klüger war als er.„Nun, es ſchadet nichts! Verloren iſt noch nichts!“ —„Haſt du denn ſchon Schritte gethan um das Gut zu erwerben?“ forſchte die Tochter.—„Nein. Ich bin bloß nach Gisfelde gegangen
Fortſchritte der Zeit.
und habe mich ſo ganz beiläufig in der Schenke nach allem erkundigt,
was ich wiſſen wollte. Den Herrn Amtmann habe ich gar nicht geſehen, aber ſeine alte Mamſell habe ich geſprochen. Die lobte mir das Gut
ungeheuer.“—„Natürlich, denn es ſoll verkauft werden!“ rief Alwine lachend.„Jeder Verkäufer preist ſeine Waare!“—„Nein— ſo ſtehen
die Sachen nicht. Der Amtmann Gerold thut's nur aus Liebe zu ſeiner Tochter, daß er verkauft. Sie wünſcht in die Stadt zu ziehen.“
„Ach— gibt es denn noch mehr ſolche gute Väter in der Welt?“ ſprach Alwine ſchmeichelnd.„Ich dachte wahrhaftig nur allein ſo glück⸗ lich zu ſein einen Vater zu beſitzen, der ſeiner Tochter alles zu Gefallen thut. Nein, Väterchen, ſo jung ich bin, das ſehe ich aber doch ein, daß Gisfelde, wie du es nennſt, nichts für uns iſt. Wir verſtehen nichts von Schafen und nichts von Wolle. Schönes Obſt gibt es überall, wenn man es bezahlen kann, und unſere Mutter würde ſehr böſe ſein, ſollte ſie plötzlich die Frau Amtmännin ſpielen, nach der Milchwirthſchaft ſehen und Hühner, Gänſe und Enten groß ziehen.“—„Das iſt wahr,“ unter⸗ brach ſie der Mann herzlich lachend.„Da könnt's ſich wieder ereignen, daß ich der Packeſel würde, wie in der Zeit, ehe du groß warſt. Nun, es ſchadet ja nichts! Verloren iſt noch nichts!“— Der Ton, womit er dieſelben Worte, wie ſchon früher, wiederholte, fiel Alwinen auf. Sie ſetzte ſich auf ſein Knie, ſtrich den ſtruppigen Backenbart glatt und ſagte ſchalkhaft:„Etwas iſt los, ich merk's ſchon, alſo beichte nur, Väterchen. Wie ging es weiter mit der alten Mamſell in Gisfelde?“—„Mit der? Nein, mit der nicht! Aber ich fand in der Schenke einen Mann, der


