Jahrgang 
1 (1864)
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Von Ernſt Fritze. 99

Da trat ein junger Mann raſch aus der Gruppe der umſtehenden Eltern dieſer Dämchen hervor, blickte mit unverkennbarem Wohlwollen in das ſchöne, von der Glut der Begeiſterung geröthete Geſicht Alwinens und fragte das Mädchen mit fröhlich kecker Manier,„ob ſie mitſpielen möchte.“ Erſchrocken ſchüttelte Alwine ihr Köpfchen und wich ein wenig zurück. Der junge Mann aber hatte ſchnell ihre Hand ergriffen und ſie einem netten, freundlichen Mädchen mit den Worten zugeführt:„Hier, Eliſe, laß doch dieſe Kleine mitſpielen— es ſcheint ihr ſo großes Ver⸗ gnügen zu machen.“ Das junge Dämchen aber war plöotzlich ſehr ernſt geworden und hatte erwidert:„Das geht nicht, Arthur— es iſt unſeres ehemaligen Stubenmädchens Tochter— die Andern würden dies übel⸗ nehmen.“— Darauf hatte freilich der junge Mann, der Arthur ange⸗ redet worden war, hellauf gelacht und geſagt:„Alberne Vorurtheile— dieſe Kleine iſt hundertmal hübſcher und feiner als ihr alle mit einander!“ — aber er hatte ſich dann doch nicht weiter um ſie bekümmert.

Dieſe kleine Scene aus ihrem Kinderleben vergegenwärtigte ſich Al⸗ wine in dem bitteren Gefühle der Demüthigung, die für ſte in der maß⸗ loſen Verwunderung ihrer neuen Freundinnen lag, als ſtie ſich beeilte, ihre himmliſche Frühlingsfreude mit ihnen zu theilen.—„Ja, ja,“ flü— ſterte ſie beklommen,„ich bin die Tochter eines ehemaligen Stubenmäd⸗ chens, und ſo innig ich mich ihnen auch anſchließen möchte, dieſe Schranke iſt nicht niederzuwerfen! Warum ſuchen ſie mich denn aber auf?“ Ein bitteres Lächeln flog über ihr liebliches Geſicht.„Bin ich vielleicht den Müttern dieſer jungen Damen eine gute Partie für die Söhne, die reiche Mädchen heirathen müſſen? Hat vielleicht deßhalb neulich die Bürger⸗ meiſterin zu mir geſagt, mein Vater ſolle ſich doch ein Gut kaufen, das erhebe ihn in den Augen der Welt zum Gutsbeſitzer und gäbe mir eine ganz andere Stellung und auch andere Ausſichten? Sollte ſich vielleicht die Frau Bürgermeiſterin herablaſſen wollen mich jetzt zur Lebensgefährtin ihres ausſchweifenden Sohnes, des Herrn Lieutenants, zu machen? O, nein, dazu fühle ich mich denn doch zu gut, ſelbſt wenn ich die Tochter eines Handwerkers und eines ehemaligen Stubenmädchens bin!“

Alwine erhob ſich raſch, wie vom inneren Unmuthe emporgeſchnellt. Der Tag begann eben zu ſinken. Die Sonne verbarg ſich allmälig hinter dem Gewölk, das den weſtlichen Horizont bedeckte. Alwine hörte die Signalpfeife der Eiſenbahn durch die ſtille Luft dringen.„Ob mein Vater

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