Jahrgang 
1 (1864)
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Fortſchritte der Zeit.

Mannes habhaft werden konnte, da überſchüttete man ihn mit Glück⸗ wünſchen und mit Betteleien. Nach und nach legte ſich der Aufruhr und man wartete einigermaßen geſpannt auf die Veränderungen im Hoffmann⸗ ſchen Hauſe, die nach ſolchen Kataſtrophen einzutreten pflegen. Es geſchah jedoch nichts Auffälliges. Hoffmann ſtellte zwar ſeine Arbeit ein, ließ ſich von Kopf bis zu Fuß neu einkleiden, bauete ſein Häuschen dergeſtalt aus, daß es wohnlicher, bequemer und eleganter erſchien, und ſchaffte mancherlei an, was er als Maurergeſelle nicht gebraucht hatte, aber ſonſt veränderte er ſich äußerlich, ſowie innerlich gar nicht beſonders. Seiner Frau ſchaffte er eine ſolide Garderobe, hielt ihr ein Dienſtmädchen und gab ihr ein anſtändiges Taſchengeld. Seine Tochter aber hatte freie Hand, ſo viel Geld zu verbrauchen und ſich ſo elegant zu kleiden, wie ſie wollte. Den Garten bei ſeinem hübſch gewordenen Häuschen verwan⸗ delte er in einen Ziergarten, worin er die ſchönſten Blumen zog und das feinſte Obſt anpflanzte. Dies bildete die Hauptbeſchäftigung ſeines Lebens, und da ſeine Tochter Alwine ſeit frühſter Jugend leidenſchaftlich für die Blumen ſchwärmte und nichts lieber aß als Obſt, ſo war anzunehmen, daß auch hier ſeine Vaterliebe vorwaltete. Als die Bewohner der Stadt ſahen, daß Herr Chriſtoph Andreas Hoffmann nebſt ſeiner werthen Fa⸗ milie der Mediſance keine Nahrung zu geben willens waren, da erkaltete ihre Neugier mit ihrem Intereſſe zugleich und nach Jahresfriſt ſprach man mit vollkommener Gleichgültigkeit davon, daß der Maurer Hoffmann'mal gewonnen haben ſolle— es müſſe aber wohl nicht ſo viel geweſen ſein, wie man zuerſt gedacht hätte.

Alwinens Rathſchläge hatten ſich danach alſo als practiſch bewährt. Das Aufſehen, welches ihr Lotteriegewinn gemacht, war gedämpft, ohne den Neid und die Mißgunſt erregt zu haben, und die vernünftige Verwendung ihres Geldes erweckte eine Art Sympathie in den Herzen der Leute, die da wußten, wie verführeriſch der Glanz des d eichthumes iſt. Es kam endlich dahin, daß Alwine Hoffmann eine geſuchte Geſellſchafterin in den Zirkeln anſtändiger Familien wurde und daß man ihretwegen die Eltern mit in den Kauf nahm, trotzdem die Mutter als Stubenmädchen und der Vater als Maurergeſell fungirt hatte.

Merkwürdig erſchien es indeß, wie wenig Einfluß die Veränderung ihrer ganzen Lebensſtellung auf Alwine gehabt hatte. Sie war und blieb das holde, einfache, ſaubere und beſcheidene Mädchen. Sie glich einer Blume, die in ihrem Farbenſchmucke ſorglos des Sonnenſcheines ſich freuet,