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Von Ernſt Fritze. 95
und ihr zartes, milchweißes Geſicht an ſeine bärtige Wange drückte, dann war ihm gerade zu Muthe, als ſei ein Engel vom Himmel hernieder⸗ geſtiegen und erzähle ihm von der Glückſeligkeit derer im Paradieſe der Ewigkeit, die auf Erden arm und niedrig ihre Wallfahrt vollbracht hatten. In ſolchen Augenblicken überfiel ihn der Durſt nach Reichthum und Ehre. Er wünſchte ſich ſeine Jugend zurück, um anders lernen zu können, um den ehrenvollen Weg, den ſein Meiſter gemacht hatte, betreten zu dürfen. Wie herrlich dachte er es ſich, ſeine Alwine als Tochter des Maurer⸗ meiſters Hoffmann zu ſehen, während ſie jetzt demüthig an der Schwelle ſeines Meiſters ſtehen blieb, wenn ſie ihm ſein Mittagsbrod bringen wollte. O, in dieſem Vaterherzen, ſchwellend von den reinſten Gefühlen, erwachte der Ehrgeiz kühn und vermeſſen, ſo daß ſein Gehirn an Plänen zu arbeiten begann, wie es anzufangen ſei, in die Höhe zu kommen.
Da trat das Schickſal ein. Herr Chriſtoph Andreas Hoffmann ge⸗ wann in der Lotterie und erhielt auf ſeinen Antheil fünf und dreißig⸗ tauſend Thaler. Verwunderter iſt wohl nie ein Menſch über ſeinen Ge⸗ winn geweſen, als Hoffmann, aber nach dieſem erſten Stadium der Ueber⸗ raſchung trat das ausſchweifendſte Entzücken ein. Seine Tochter! Seine Alwine! Die Blume ſeines armen Daſeins, die Sonne ſeines dunkeln Lebens— o, wie wollte er dies Kleinod nun ſchmücken und in Glanz hüllen, wie wollte er der Welt zeigen, daß der arme Maurer doppelt und dreifach von Gott begnadigt ſei.
Der Taumel ſeiner Freude wurde von Alwine ſelbſt gedämpft, nach⸗ dem ſie erſt in herziger Liebe alle ſeine Pläne für ihr Glück genehmigt hatte. Das Mädchen zeigte Charakter für ihre ſechszehn Jahre. Sie fragte den Vater, ob es nicht beſſer ſei, nicht des Geldes, ſondern ſeiner ſelbſt wegen, geliebt und gefeiert zu werden. Der Papa ſiutzte und ſtrich ſich nachdenklich den grauen, häßlichen Bart. Danach begann Alwine eine ſehr vernünftige Auseinanderſetzung, die darauf hinauslief, daß man nicht mit dem reichen Gewinn prahlen wolle, daß man erſt verſuchen müſſe, wie weit dieſer Gewinn reichen werde zum Glanz des Lebens, daß man überall klein anfangen und dennoch ſpäterhin beweiſen könne, man verſtehe zu leben. In der That, das kleine, hübſche, ſechszehnjährige Töchterchen zeigte ſo viel practiſchen Sinn und ſo viel Lebensklugkeit, daß Papa Hoffmann reſpectvoll die Segel ſtrich und ſich ihren Rathſchlägen fügte.
Zuerſt erregte die Nachricht, Hoffmann habe das große Loos gewon⸗ nen, eine ungeheure Senſation im Orte, und wo man des glücklichen


