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er durch Zufall Kenntniß davon erhalten ſollte. Eine helle Glut flog über Vally's reizendes Geſicht— es war die Schamröthe, welche durch Seelenregungen erzeugt wird. Sie fühlte in dieſer Schamröthe des jungen Mannes Verurtheilung und dachte mit Herzklopfen daran, daß der Tag kommen könne, wo ſie mit Reue an ihre Künſte zurückdenken werde.
Vally war der Liebe des jungen Juriſten keineswegs gewiß. Sie hatte ihn kennen lernen durch Arthur Berger, der eines Predigers Sohn aus der Gegend von Gisfelde war. Dieſer junge Strudelkopf hatte ihr von dem ſtillen Intereſſe etwas verrathen, das Juſtus für ſie hegte. War denn dies Intereſſe ſo groß, daß Juſtus eine Verbindung für's ganze Leben wünſchenswerth fand? Und— verdiente ſie denn ſeine Liebe? War ſie dieſes ruhigen, edlen,„furchtlos und treu“ dahin wandelnden Mannes würdig? Ihre Beſcheidenheit verneinte dieſe Frage. Und dann? — Wieder flog eine helle Glut— die Schamröthe der Seele— über ihr ganzes Geſicht. Hatte ſie nicht unweiblich die Grenzen entfernt, be⸗ vor Juſtus Hagedorn eine directe Annäherung verſuchte? Mußte ſie nicht vor ſeinem erſten Begegnen zittern? Durfte ſie den Ort zum Wohnplatze wählen, wo ſie ihn zu finden ſicher war? Konnte ſie ihm frei in's Auge blicken, wenn er den Zufall pries, der ſie dahin gebracht hatte?
Vally verhüllte heimlich bewegt ihr Antlitz. Es ging dem armen Mädchen, wie allen leidenſchaftlichen Naturen, die erſt dann bereuen, wenn ſie erreicht haben, was ſie mit Opfern erſtrebten. Dieſe erſte Stunde der Selbſtſchau läuterte aber ihr Herz ſchon weſentlich von den Schlacken der Selbſtliebe und machte ſie reif zur Erkenntniß der Prüfungen, die eine unerläßliche Folge ihrer egoiſtiſchen Handlungsweiſe ſein ſollten. Sie wußte nur leider ſelbſt nicht, daß ihr der Glanz des Weltlebens ſchon gar nichts mehr galt, ſeit ſie mit der ganzen Lebhaftigkeit ihres Naturells an den Blicken des Mannes hing, der ihr vom erſten Blicke an als das Ideal ihrer Träume erſchienen war. Sie wußte nichts von dem Rauſche ihres Herzens— ſie wußte nichts von dem Feuer des Blutes— ſie wußte nichts von den Flammen der Sinne, die nicht eher verlöſchen, als nach der Zerſtörung aller weiblichen Selbſtliebe: Sie hatte gehandelt um eine Vereinigung mit dem Stillgeliebten zu ermöglichen und ſie kannte die Gefahr nicht, worin ſie ſich ſtürzte, wenn der Mann ihrer Liebe es bei dem ſtillen Intereſſe bewenden ließ, das er ihr bis dahin geweihet. Sie war blindlings hineingerathen in ein Labyrinth von Wünſchen, und als ſie beklommen um ſich ſchauete, hatte ſie den Faden, welcher ſie aus
Fortſchritte der Zeit.


