Jahrgang 
1 (1864)
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Von Ernſt Fritze. 3 91

Es war jedoch einmal geſchehen und in der Hand Gottes lag es noch immer, ihre Pläne zu vereiteln. Mit dieſem Troſte beſchwichtigte ſich des Amtmanns Töchterlein ohne zu bedenken, daß ein in die Welt hin⸗ ausgeſchleudertes Wort mit allen ſeinen Folgen dem zur Laſt fallen kann, der es veranlaßt hat.

Für jetzt ging Vally in ſtillem Triumphe umher. Ihr Vater hatte mit leichtem Achſelzucken zur alten Mamſell Müller geſagt:„Meine Toch⸗ ter paßt nicht zur Amtmannsfrau, darum iſt's beſſer, ich verkaufe in Ruhe und ohne Uebereilung. Was ſoll ich mich abmühen für fremde Menſchen und mich noch mit dem Fortſchritt der Zeit quälen, der die Erde mit Guano fruchtbarer zu machen gedenkt. Wenn ich einen red⸗ lichen Käufer finde, laſſe ich mein halbes Vermögen in Gisfelde ſtehen und mache es mir aus, daß ich des Sommers ſchönſte Monate hier leben darf.“—„Gern verlaſſen Sie Gisfelde nicht?“ fragte die alte Mamſell ſehr mitleidig. Das melancholiſche Lächeln ihres Herrn ſchnitt ihr in's Herz und ſie zürnte in dieſem Momente dem Eigenſinne der Tochter, die den Vater aus ſeinem Elyſium vertrieb.—„Ach— man gewöhnt ſich an alles,“ entgegnete der Amtmann ausweichend, als Vally eintrat und Ohrenzeugin ſeiner Meinung werden konnte.

Man gewöhnt ſich an alles! Vally mußte an dieſe Worte weit öfter denken, als für ihren Seelenfrieden gut war. Sie überlegte nach⸗ träglich erſt, ob ſie ſich nicht auch an manches werde gewöhnen müſſen. Sie überlegte auch nun erſt, ob ſie ihr vorgeſtecktes Ziel denn nicht deſſen ungeachtet verfehlen könne. Juſtus' Bild tauchte vor ihr auf. Der junge Mann war das Jdol ihres Herzens geworden und ſie brannte vor Ver⸗ langen ihm näher zu kommen, ohne daß ſie eine ſichere Hoffnung auf ſeine Gegenliebe hatte. Juſtus gehörte zu den wunderlichen Ausnahmen der Jetztzeit, er war tadellos rechtlich und lebte nach den Geſetzen eines Ehrgefühles, wie man es kaum mehr unter der jetzigen Generation findet. Jeden Forſchritt der Zeit, der auf Abwege führen konnte, haßte er, ob⸗ wohl er den Machtſpruch des neunzehnten Jahrhunderts, das mit„Vor⸗ wärts“ begonnen hatte und auch mit„Vorwärts“ ſchließen würde, voll⸗ ſtändig begriff. Er moderirte den gewaltigen Schickſalsſpruch nur dadurch, daß er hinzufügte:„mit Mäßigung und Klugheit.“

Beim wilden Vordringen in ihrem Angriffsplane hatte Vally die Eigenthümlichkeit des jungen Mannes aus den Augen verloren. Jetzt wo ſie ihren Sieg erfochten hatte, jetzt gedachte ſie ſeines Urtheiles, wenn