84 Fortſchritte der Zeit.
ich allerdings nicht, aber aus eigener Luſt am Wechſel entſtand er nicht, darauf gebe ich mein Wort!“ ſprach der Referendar mit Beſtimmtheit.
„Es kann dennoch Zufall ſein! Doch bin ich ſehr geneigt, dieſen Zufall als ein günſtiges Vorzeichen zu betrachten,“ meinte Juſtus lächelnd. „Nun komm! Wir haben unſern Zweck erreicht, können alſo unſern Spaziergang weiter fortſetzen!“ Er nippte nochmals an ſeinem Glaſe, ließ jedoch die größere Hälfte des Bieres ſtehen, während der Referendar ſeinen Krug mit einem kräftigen Zuge leerte und denſelben hart auf den Tiſch niederſetzte. Alles verrätheriſche Zeichen, daß er mit der Manier eines Biertrinkers weit beſſer vertraut war, als ſein blonder Freund Juſtus, der ſelten in ſolche Lokale ging und augenſcheinlich kein großer Freund des bitteren Naſſes zu ſein ſchien, welches zum Fortſchritte der Zeit ge⸗ rechnet werden muß.— Eilig, wie ſie gekommen waren, verließen beide Herren das Gaſtzimmer wieder.
„Wer waren die Herren?“ fragte Wappler angelegentlich, als die Kellnerin ihm ſein Zeitungsblatt wieder zuſtellte.—„Den Blonden kannte ich nicht! Der Schwarzköpfige heißt Arthur Berger und iſt Referendar,“ war Guſtchens Antwort.— Jetzt erhob der ſtille, beſcheidene Mann an
der Thür ſeine Stimme und ſagte:—„Wenn Sie erlauben— der blonde Herr iſt der Aſſeſſor Hagedorn. Er arbeitet jetzt am Kriminalge⸗ richte!“—„Ach ſo!“ ſpöttelte Herr Wappler mit einem Seitenblicke auf
ſeinen blaſſen Geſellſchafter, der ziemlich theilnahmlos daſaß.„Darum trinkt der Herr auch kein Bier. Kriminalbeamte dürfen nicht zu Biere gehen, ſonſt verlieren ſie ihre Reputation!“ Er lachte laut über ſeine witzig ſein ſollende Bemerkung und nahm das Zeitungsblatt zur Hand, das ihm Guſtchen wieder gebracht hatte.„Wir wollen doch einmal nach⸗ ſehen, was die beiden Herrchen vom Gerichte ſo mächtig intereſſirt hat, daß ſie ſich ſogar bis in eine Bierſtube verirrten,“ ſetzte er mit deutlichen Merkmalen eines inneren Grolles gegen den Gerichtsſtand hinzu.—„O, Herr Referendar Berger iſt ſehr häufig hier,“ bemerkte die Biermamſell. —„Ich habe ihn noch nie hier getroffen,“ meinte Herr Wappler.— „Dann haben Sie ihn nur nicht bemerkt!“ erwiderte die Biermamſell ſich entfernend.—„J man nicht! Ich kann doch ſonſt ſehen! Was mögen die Herren gemeint haben— hier ſteht ein Termin an—.“—„Be⸗ wahre,“ ſprach der blaſſe Herr mit dem blaſirten Weſen.„Von einem Gutsverkaufe war die Rede.“
„Jawohl!“ antwortete Wappler,„hier ſteht ein Termin an— ein


