Jahrgang 
1 (1864)
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Von Ernſt Fritze. 85

Gut ſoll verkauft werden halte'mal! Jetzt habe ich's! Er ſetzte ſich zurecht und las:Familienverhältniſſe halber ſoll das ſchöne Rittergut Gisfelde, welches eine halbe Stunde von einer Eiſenbahn und zwei Stun⸗ den von einer großen, volkreichen Stadt entfernt, in einem fruchtbaren Thale liegt, ausgezeichnete Wieſen und Forſtreviere mit den beſten Feldern vereinigt und mit einem hübſchen Wohnhauſe und vollſtändig gut erhal⸗ tenen Wirthſchaftsgebäuden verſehen iſt, verkauft werden. Käufer wollen ſich ſelbſt an Ort und Stelle verfügen um das Inventarium nebſt den ſchönen Obſt⸗ und Gemüſegarten in Augenſchein zu nehmen. Der Werth des Gutes iſt auf 60,000 Thaler veranſchlagt. Die Hälfte der Kauf⸗ ſumme braucht nur angezahlt zu werden! Herr Wappler warf das Zeitungsblatt heftig auf den Tiſch und rief laut lachend:J man nicht! Das wäre ja etwas für uns, cher Baron!

Der alte /graubärtige Herr ſtreckte gemächlich ſeine große unſaubere Hand nach dem Zeitungsblatte aus und in ſeinem Mienenſpiele konnte ein geübter Beobachter deutlich die Worte leſen:Ei wäre das nicht am Ende etwas für mich? Und der ſtille, beſcheidene Mann an der Thür wendete das Beiblatt, das er nun ſchon eine halbe Stunde durch⸗ ſtudirt hatte, langſam um. Auf ſeiner Stirn ſtand geſchrieben, daß auch er darüber nachdenke, ob ſich nicht ein kleiner Verdienſt für ihn aus dieſer Annonce herausſchlagen ließe.

Was meinſt du, cher Baron, fuhr Herr Wappler fort.Wollen wir nicht auf Gisfelde ambiren? Der Graubärtige ließ ſeinen Blick verächtlich über Wapplers Geſtalt laufen, gleichſam ihn ſtumm verurtheilend als zahlungsunfähig.Dreißigtauſend Thaler Anzahlung iſt ja gar kein Geld! Cher Baron, was ſagſt du dazu?Mir iſt das Wetter zu ſchlecht kalt, naß, ſchneit bald, regnet bald wo liegt Gisfelde? Convenirt mir nicht! ſagte der cher Baron ſehr gleichgültig. Haſt du nicht verſtanden Wappler, was der Referendar Berger ſagte? Jawoll! Aus ſeinen Reden ging hervor, daß der blonde Aſſeſſor auf des Gutsbeſitzers Töchterlein ſpeculirt. Wo mag denn nur dies ver⸗ dammte Gisfelde liegen?

Eben trat Guſtchen mit einem friſchen Seidel für den graubärtigen Herrn wieder ein. Sie höͤrte die Frage und tippte beim Vorübergehen vertraulich auf Wapplers Schulter.Das kann ich Ihnen ſagen, Herr Wappler, ſprach ſie,denn ich bin aus der Gegend von Gisfelde. Mit der Eiſenbahn kommen Sie in einer Stunde hin, müſſen aber dann noch