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Von Ernſt Fritze. 83
legte mit der Manier eines feinen Mannes ein größeres Geldſtück vor Guſtchen hin, das dieſe mit einem koketten Lächeln einſteckte, ohne daß es ihr einſtel, das über den Bierpreis weit hinausgehende Geldſtück zu wech⸗ ſeln.„Sie ſollen ſogleich die erſte Beilage haben,“ ſprach ſie dabei weit freundlicher als vorhin.— Der Referendar lachte über das verblüffte Geſicht ſeines Freundes, der ſein Bier noch dreimal ſo theuer bezahlt hatte als er.„Das iſt auch ein Fortſchritt der Zeit!“ flüſterte er.„Guſt⸗ chen hat es ſich zum Geſetz gemacht nie Geld herauszugeben, wenn es nicht geradezu gefordert wird. Sie ärgert ſich ſtets über mich, daß ich mich mit ausreichender kleiner Münze verſehen habe, wenn ich hier ein Seidel trinke.“
„Gebrauchen Sie das erſte Beiblatt noch, Herr Wappler?“ fragte in dieſem Momente die Biermamſell den beweglichen Herrn am Fenſter. Dieſer blickte in die Höhe und richtete, bevor er antwortete, ſeine Auf⸗ merkſamkeit mit dem gewöhnlichen Manöver auf die neuangekommenen Gäſte. Nachdem er eine Minute zwiſchen ſeinen Fingern hindurch ge⸗ blinzelt hatte, gab er die Beilage mit den Worten hin:„Bringen Sie ſie mir wieder!“ Darauf lehnte er ſich vorn über und flüſterte dem blaſſen Gefährten zu:„Herren vom Gericht!“ Er ſchien ſich nach dieſer kleinen Unterbrechung wieder in ſeine Lecture zu vertiefen, der Erfolg aber lehrte, daß er keineswegs geleſen, ſondern ſcharf darauf geachtet hatte, was die Herren vom Gericht vornahmen.
„Hier, Juſtus!“ flüſterte der Referendar.„Hier ſteht es! Lies ſelbſt und ſtaune! Es iſt kaum zu glauben— aber die Liebe vermag alles!“ — Juſtus las den bezeichneten Artikel und ein angenehmes Lächeln flog
über ſein edles, aber ſtreng ernſtes Geſicht.—„Nur deinetwegen! Nur deinetwegen geſchieht das!“ ſprach der Referendar wieder, indem er ſich, wie im inneren Jubel die Hände rieb.— Mit einem ablehnenden Tone
antwortete jetzt der blonde Mann:„Daran iſt doch ſtark zu zweifeln, Arthur! Ich halte den Verkauf des Gutes für einen Zufall, läugne je⸗ doch gar nicht, daß mir aus dieſem Zufalle eine Hoffnung erwächst. Herr Gerold ſcheint danach die Idee aufgegeben zu haben, ſeine Tochter nur an einen Oekonomen zu verheirathen.“—„Und du willſt zweifeln, daß Gerold's Vally mit ihrer bekannten Energie darauf hingearbeitet hat, dieſes mächtige Hinderniß zu beſeitigen? Wie ſie es angefangen hat, den grillenhaften, eiſenfreſſeriſchen Papa zum Entſchluſſe zu bringen, begreife 6*


