Jahrgang 
1 (1864)
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Fortſchritte der Zeit.

elegant gekleidet und von entſchieden diſtinguirtem Weſen. Der Eine war ſogar ſchlank und bleich und repräſentirte den blaſirten Mann des Jahrhunderts. Der Andere war lebhaft in ſeinen Bewegungen, aufmerk⸗ ſam auf alles, was um ihn her vorging, und hatte die nicht ganz noble Gewohnheit den Kopf zu ſtützen um durch die Finger die anweſenden Gäſte zu muſtern. Seine Sprache verrieth den Eingeborenen der Stadt und er ließ alle Augenblicke als Ausruf der Verwunderung oder auch des Zweifels die ſtadtübliche Redensart hören:J man nicht! Die Beweglichkeit ſeines Weſens machte ihn dem graubärtigen Reiſenden, der ihm zunächſt ſaß, ſo unangenehm, daß er mehrmals mit leichtem Brummen ſein Mißfallen darüber zu erkennen gab. Dieſer bewegliche Herr ſchien Stammgaſt des Bierlokales zu ſein, denn die hübſche Kellnerin nickte ihm öfters vertraulich zu und nannte ihn Herr Wappler.

Ganz nahe der Thür hatte ſich ein einfach gekleideter Mann nieder⸗ gelaſſen, welcher höchſt beſcheiden mit einer Beilage der Zeitung vorlieb nahm und durch die Lecture der marktſchreieriſchen Annoncen ſehr ergötzt ſchien. Er trank ſehr ſparſam und nahm langſam von Minute zu Mi⸗ nute eine Priſe aus einer Karlsbader Doſe, die ſchon viel von ihrer ur⸗ ſprünglichen Schönheit eingebüßt hatte.

Im Hintergrunde des weiten Raumes, dicht unter einer Gasflamme, die der dort herrſchenden Dunkelheit wegen ſchon angezündet war, hatten zwei junge Männer ſoeben erſt Platz genommen und der hübſchen Kell⸗ nerin zugerufen:Zwei Seidel eine Zeitung aber ſo ſchnell wie möglich! Die Kellnerin maß die beiden eleganten Herren mit einem kalten, ſonderbaren Blicke, ging aber, ungeachtet ihres Mißfallens, ſehr raſch an's Werk um ſie zu befriedigen. Während deſſen flüſterte der eine junge Mann mit keckem, ſchlauem Lächeln ſeinem etwas älteren Gefährten zu:Nun wirſt du dich überzeugen können, Juſtus! Der Angeredete ſtrich ſeinen blonden Schnauzbart, lächelte ein wenig und ſah mit ent⸗ ſchieden geſpanntem Blicke der Zeitung entgegen, die ihn überzeugen ſollte von dem, was ſein Lebensglück befördern konnte. Die Kellnerin ſetzte die Bierkrüge vor den jungen Männern nieder und ſagte mit kaltfreund⸗ lichem Weſen:Mit einer Zeitung kann ich Ihnen für den Augenblick nicht dienen, Herr Referendar!

O, ich wünſche nur die erſte Beilage der heutigen Nummer, Guſt⸗ chen, entgegnete der Referendar, indem er das Geld für ſein Seidel Bier auf den Tiſch warf, genau ſo viel, wie es koſtete. Sein Freund hingegen