Jahrgang 
1 (1864)
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Die Arſenikeſſer. Von Ernſt Freiherrn v. Bibra.

noch beſſer zu gefallen, nahm ſie Arſenik, und anfänglich ging alles treff⸗ lich, ihr Antlitz ward rund und blühend, und ſie erhielt raſch die ge⸗ wünſchte Körperfülle. Aber allzu keck gemacht durch dieſe günſtigen Erfolge, nahm ſtie jetzt unmäßig große Mengen, irre ich nicht, 10 Gran, und ſtarb dann unter allen Anzeichen einer Arſenikvergiftung. Da die Arſenikeſſer aus verſchiedenen Gründen faſt immer ihre Gewohnheit geheim halten, ſo mag wohl auch mancher ſchlimme Ausgang derſelben nicht bekannt geworden ſein. Die glücklichen Fälle ſcheinen indeſſen im⸗ mer zu überwiegen.

Hiſtoriſche Anhaltspunkte über den Urſprung dieſes Gebrauchs feh⸗ len, ſo viel mir bekannt, gänzlich, und möchten wohl ſchwer zu beſchaffen ſein; im Uebrigen aber ſteht die Gewohnheit, allgemein anerkanntes Gift zu nehmen nicht allgemein anerkanntes ißt, liest und trinkt man täglich nicht iſolirt. Unter Umſtänden eſſen die Tuͤrken Sublimat, nach dem Arſenik wohl das gefährlichſte metalliſche Gift, in faſt unglaublich ſtar⸗ ken Doſen, um ſich den Opium⸗Katzenjammer zu vertreiben, wie ſie ſagen. Auch nicht übel! Und, wenn unſere lieben Leſer von dem Arſenik, den wir ihnen heute vorgeſetzt haben, nicht ſchlimm berührt worden ſind, müſſen wir in der Folge wohl einmal auch ein paar Worte vom Subli⸗ mate ſprechen.

Wir ſchließen dieſe Notizen mit der Bemerkung, daß in Steiermark die Hausthiere, wie man ſagt, gegen den Willen der Herrſchaft von den Dienſtleuten Arſenik in's Futter geſtreut bekommen, um ihnen glänzende Haare und ein wohlgenährtes Ausſehen zu geben, und in Wien ſollen, aus ähnlichen Gründen faſt alle Luxuspferde Arſenik in's Futter geſtreut erhalten, damit ſie ſtark ſchäumen und eine glänzende Haut bekommen. Auch an andern Orten Oeſterreichs gibt man Laſtpferden, welche ſchwere Laſten über ſteile Gebirge zu ziehen haben, gewiſſe Mengen Arſenik, und ſie ziehen dann mit Leichtigkeit ihre Laſt bergaufwärts, ohne den Athem zu verlieren, eben ſo wie die Menſchen, welche ſichlüftig gemacht haben, über das Gebirge ſteigen.

Aber eben ſo, wie dieſe, nehmen Thiere, welche man an Arſenik ge⸗ wöhnt hat, raſch ab, werden kraftlos und verſchmähen das Futter, wenn man ihnen plötzlich den gewohnten Giftgenuß verſagt, und ein Fall dieſer Art iſt mir ſelbſt mit allen näheren Umſtänden bekannt.