Jahrgang 
1 (1864)
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Die Arſenikeſſer.

Dieſe anderen Arſenikeſſer werden an einigen Orten in Steiermark getroffen, und der Medizinalrath Dr. von Veſt hat der Wiener Akademie der Wiſſenſchaften 17 ärztliche Berichte vorgelegt, aus welchen hervor⸗ geht, daß in dem nördlichen und nordweſtlichen Theile Steiermarks die meiſten Arſenikeſſer getroffen werden. Der Süden iſt faſt frei, und nur in der Gegend von Pettau kommen wieder einzelne Fälle vor.

Man nimmt vorzugsweiſe die arſenige Säure, doch wohl auch bis⸗ weilen den gelben Schwefelarſenik, das ſogenannte Auripigment, und der beginnende Arſenikeſſer fängt mit einem Stückchen von der Größe eines Hirſekorns an. Später nimmt man 4 bis 5 ½ Gran. Durchſchnitt⸗ lich trinkt man nicht ſogleich nach dem Genuſſe des Arſeniks, und einige ziehen Mehlſpeiſen dem Fleiſche vor, während wieder andere kein Fett genießen. Das ſcheinen aber nur Ausnahmen zu ſein, die meiſten andern eſſen, was ihnen vorkommt, mit dem größten Appetit, und ver⸗ ſchmähen nicht einen guten Trunk zu thun, nach alter und neuer Sitte und mit möglichſter Vermeidung von Waſſer.

Wer einmal an den Arſenik gewöhnt iſt, empfindet nach deſſen Ge⸗ nuſſe eine angenehme Wärme im Magen, erbricht auch bei größeren Mengen nicht und empfindet nur nach ganz unmäßigem Genuße eine ge⸗ linde Eingenommenheit des Kopfes. Dabei ſind dieſe Arſenikeſſer meiſt derbe und kräftige Leute, geſund und arbeitsluſtig, Holz⸗ und Pferde⸗ knechte, Waldhüter und Schmuggler, deren Beſchäftigung einen häufigen Aufenthalt im Freien mit ſich bringt, und die muthig und raufluſtig ſind.

Dem ſchönen Geſchlechte ſind dieſe an den Arſenik gewöhnten Men⸗ ſchen beſonders ergeben, und einzelne dieſes beſagten Geſchlechts nehmen ebenfalls Arſenik, wenn gleich die Anzahl dieſer Schönen geringer iſt als die der Männer. Alſo ziemlich der gleiche Fall wie mit den geiſtigen Getränken.

Bisweilen beginnen dieſe Leute ſchon mit dem achtzehnten Jahre und werden 70 Jahre alt, und Tſchudi erzählt von einem Manne, der 40 Jahre lang Arſenik nimmt, ſich dabei vollkommen wohl befindet, dieſe Gewohnheit von ſeinem Vater erlernte und hofft, daß ſeine Söhne ihm folgen werden.

Einige Arſenikeſſer nehmen den Arſenik täglich, andere jeden zwei⸗ ten Tag, wieder andere nur ein⸗ oder zweimal in der Woche. Im Be⸗ zirke Hardenberg ſetzt man im Neumonde aus, und im zunehmenden