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Von Ernſt Freiherrn v. Bibra. 77
langſam, und beginnend mit den kleinſten Mengen, an das Verſchlucken jenes giftigen Staubes gewöhnen.
Tſchudt erzählt von einem Direktor einer ſolchen Arſenikhütte, der keinen neuen Arbeiter in das Werk nimmt, wenn derſelbe durch das Nehmen kleiner Doſen des Gifts ſich nicht vorher 6 bis 8 Wochen vor⸗ bereitet hat.— Er beginnt mit Gaben von ¼1 Gran und weniger, und ſteigt bis zu 1 und 2 Gran.— Kommt der Arbeiter nach dieſer Vorbereitung in die Hütte, ſo ſchadet ihm der Giftſtaub nicht, oder dieſes ſcheint wenigſtens nur ausnahmsweiſe ſtattzufinden, und faſt alle ſo be⸗ handelten Arbeiter ſehen geſund und blühend aus, und erreichen ein ver⸗ hältnißmäßig hohes Alter.— Der Direktor ſelbſt nimmt täglich, zum Kaffee 3 bis 3 ¾ Gran Arſenik, etwa wie andere Leute Zucker nehmen; es ſcheint ihm auf ein bischen mehr oder weniger auch kaum anzukommen, und dabei iſt er friſch und geſund und arbeitet rüſtig in ſeinem Berufe.
Ich vermag nicht anzugeben, ob in allen, oder wenigſtens in vielen Arſenikwerken dieſer Gebrauch herrſcht, aber ſchon aus dieſem einzigen angeführten Falle, ſcheint hervorzugehen, daß der Organismus ſich all⸗ mälig an eine gewiſſe Menge des Giftes gewöhnen kann, ohne nach⸗ theilige Folgen zu empfinden, daß derſelbe durch dieſe geringen Mengen geſchützt wird gegen ſpätere, größere, willkürlich oder unwillkürlich ein⸗ genommene Doſen.
Die phyſiologiſchen Gründe dieſes Schutzes ſind bis jetzt nicht hin⸗ reichend entwickelt, und dem Einwurfe zu begegnen, daß nach dem Ge⸗ ſagten eigentlich keine chroniſche Vergiftung mit Arſenik mehr ſtattfinden könne, iſt hier der Ort nicht. Vielleicht aber darf ich beifügen, daß in der Arzneikunde die Arſenikpräparate in neuerer Zeit einen größeren Wirkungskreis erhalten. Boudin hat ſie neuerdings als Mittel gegen hartnäckige Fieber empfohlen,(nebenher geſagt, machte mir Kannſtatt ſchon vor zwölf Jahren dieſelbe Mittheilung), Bouchat empfiehlt ſie gegen Scrofuloſe, und Trouſſeau gegen verſchiedene andere Krankheiten, die ich nicht näher bezeichnen will.— Was aber gut in unſeren Kram paßt, iſt, daß Devergie vorſchreibt, den Arſenik in ſteigender Doſis zu reichen, mit der kleinſten zu beginnen, die jeder verträgt, und mit ſtärkeren fort⸗ zufahren, welche dann ſicher und kräftig wirken ſollen.— Wir haben alſo hier die Theorie unſeres Hüttendirektors und der übrigen Arſenik⸗ eſſer zuſammen, von welchen wir ſogleich ſprechen wollen.


