Die Arſenikeſſer.
eine ſchwache Concurrentin gefunden hat, trotz allen Fortſchritten der Wiſſenſchaft.
Unter Arſenik verſteht man gewöhnlich den ſogenannten weißen Arſenik, als Giftmehl oder eigentlich dem wiſſenſchaftlichen Ausdruck nach, die arſenige Säure, welche aus 76 Theilen Arſenikmetall und 24 Theilen Sauerſtoff beſteht.— Sie wird in der Natur als ein Mine⸗ ral gefunden, welches man Arſenblüthe genannt hat, aber dieſes Mineral iſt ſelten und die arſenige Säure wird meiſtens künſtlich dargeſtellt aus verſchiedenen andern, natürlich vorkommenden, Arſenverbindungen.
Sie iſt dicht, ſchwer, weiß und friſch dargeſtellt durchſcheinend, wird aber ſpäter undurchſichtig. Sie bedarf etwa 66 Theile Waſſer, um ſich aufzulöſen, und kann in dieſem Zuſtande, gemengt mit andern Subſtan⸗ zen oder Flüſſigkeiten durch den Geſchmack kaum erkannt werden. Deß⸗ halb, und wohl auch weil die arſenige Säure das bekannteſte, ſicher wir⸗ kende und zugleich trotz allen Gegenmaßregeln dennoch immerhin das am leichteſten zu erhaltende Gift iſt, wird ſie wohl auch noch immer am häufigſten zu verbrecheriſchen Zwecken benützt.
Unter Umſtänden iſt es möglich, daß ein Menſch an einem einzigen Gran Arſenik ſterben kann. Eine ſtarke Doſis iſt immer ſehr gefähr⸗ lich, obgleich einzelne Fälle vorliegen, bei welchen auch größere Doſen verſchluckt wurden, ohne daß das Individuum erlag.— Die Menſchen aber, von welchen wir oben geſprochen haben, welche Arſenik eſſen und nichts weniger beabſichtigen als ſich zu tödten, ſondern im Gegentheile ſich vor dem Tode ſchützen, oder ſich das Leben angenehm machen wollen, nehmen jenes tödtliche Gift in Mengen von drei, vier und mehreren Granen.
Sehen wir jetzt ein wenig, wo dies geſchieht, erklären wir das Warum näher und ſuchen wir Gründe mit wenigſtens einiger Wahrſchein⸗ lichkeit aufzufinden, welche dieſe ſonderbare Thatſachen erklären.
Wir wollen zuerſt von den Leuten ſprechen, welche Arſenik nehmen, um ſich vor Siechthum und Tod zu bewahren.— Dieſes ſind, an vie⸗ len Orten wenigſtens, die Arbeiter in den Arſenikwerken, das heißt in den Hütten, in welchen, wie oben geſagt wurde, aus den Arſenikerzen der weiße Arſenik, die arſenige Säure, bereitet wird. Dieſe Leute haben die Erfahrung gemacht, daß ihnen die, mit Arſenikſtaub ſtark geſchwän⸗ gerte Atmoſphäre ihres Arbeitsraumes unſchädlich wird, wenn ſie ſich


