Jahrgang 
1 (1864)
Einzelbild herunterladen

66 Juan Pareja, der Mulattenkünſtler. Von Otto Jäger.

Pinſel niederlegte, indem er verſprach, dem Geſuch ſeines Wirths am andern Tage zu entſprechen. Er entfernte ſich mit ſeinem Gefolge. Am andern Tag kam er wieder und malte eine Stunde in dem Atelier des Velasquez. Auch Pareja war, jetzt als ein freier Mann gekleidet, dabei anweſend. Als der Niederländer zum Abſchied den Mulatten noch einmal umarmte, hätte dieſer im Uebermaß ſeines Dankes ihm die Füße küſſen mögen.

Pareja vergaß nie die Liebe, die er von Velasquez erfahren, und wollte ſich nie von ihm trennen. Er begleitete ihn überall hin und wurde in Rom an einem Tag mit ihm in die Akademie des heiligen Lucas auf⸗ genommen, welche damals Dominichino, Guido, Pouſſin und viele andere große Meiſter zu ihren Mitgliedern zählte.

Velasquez ſtarb um das Jahr 1660 in Madrid an einer anſteckenden Krankheit. Pareja verpflegte ihn bis zu ſeinem Tod und eilte dann an das Lager der Wittwe ſeines Meiſters, die von demſelben peſtartigen Fieber befallen war. Sie folgte dem vorangegangenen Gatten acht Tage ſpäter, und nun ſuchte der treue Mann die Tochter des Velasquez auf, die mit dem berühmten Landſchaftsmaler Martinez del Mazo verheirathet war. Sennora, ſagte er,Ihr allein ſeid mir übrig geblieben. Nehmt mich in Euren Dienſt, wenn Ihr nicht wollt, daß ich ſterben ſoll.Kommt, verſetzte Mazo.Ihr gehört zur Familie.

Pareja widmete ſeine Dienſte treulich der Tochter ſeines verſtorbenen Meiſters und ihrem Gatten ſo treu, daß er im Jahr 1670, als Mar⸗ tinez del Mazo wegen eines ſatiriſchen Bildes, welches noch in dem Palaſt von Aranjuez zu ſehen iſt, von einem ſpaniſchen Edelmann meuchleriſch angefallen wurde, ſich zwiſchen den Mörder und deſſen Opfer warf und den tödtlichen Stahl mit ſeiner eigenen Bruſt auffing. Er ſtarb unter Dankgebeten, daß Gott ihn gewürdigt hatte, das Leben des Gatten von Velasquez' Tochter zu retten.

Das Madrider Muſeum beſitzt mehrere bewundernswürdige Bilder von der Hand des Mulattenkünſtlers. Auch in dem ſogenannten ſpa⸗ niſchen Muſeum von Paris befinden ſich zwei das einedie heiligen Frauen am Grab des Erlöſers, das andere die berühmteGrablegung durch die der Künſtler in der von uns erzählten Weiſe mit Rubens be⸗ kannt wurde. Sein bedeutendſtes Werk,die Berufung des heiligen Mathäus, iſt in dem Palaſt von Aranjuez zu ſehen.