Jahrgang 
1 (1864)
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64 Juan Pareja, der Mulattenkünſtler.

Philipp aber lehnte die Huldigung ab, indem er ſagte:Wir ſind in dem Hauſe eines Malers. Hier ſeid Ihr König. Mit dieſen Worten nahm er im Widerſpruch mit der pünktlichen Etikette des ſpaniſchen Hofs Rubens beim Arm, und ſo traten die beiden Könige in das Atelier des ſpaniſchen Malers, hinter ihnen je ihr Gefolge. Velasquez und ſeine Schüler empfingen Philipp mit der ſeiner Würde ſchuldigen Ehrerbietung, während ſie zu gleicher Zeit Rubens mit einer Art enthuſiaſtiſchen Will⸗ komms begrüßten. Pareja, der Mulattenſklave, war insbeſondere bezau⸗ bert von dem imponirenden Ausſehen und der edlen Haltung des Flamän⸗ ders, der damals in ſeinem zweiundfünfzigſten Lebensjahre ſtand. Seine Augen verwandten keinen Blick von dem großen Mann, vor dem er, wenn er es gewagt hätte, gern auf die Kniee niedergefallen wäre.

Die Herzen der Umſtehenden klopften, als das Haupt der niederlän⸗ diſchen Schule ſchweigend die Gemälde des Spaniers betrachtete. Als er denRock Joſephs, welchen Velasquez ausdrücklich im Hinblick auf dieſe Begegnung gemalt hatte, zu Geſicht bekam, drückte er ſeine hohe Be⸗ wunderung aus, reichte ſeinem Wirth die Hand hin und drückte ihn an die Bruſt.

Dies iſt der glücklichſte Tag meines Lebens, ſagte Velasquez zum König und fuhr dann gegen den gefeierten Gaſt fort:Ihr würdet mein Glück und meinen Ruhm vollkommen machen, Sennor, wenn Ihr Euch herablaſſen wolltet, meinem Atelier dadurch eine Ehre zu erweiſen, daß Ihr auf einem meiner Bilder einen Pinſelſtrich zurücklaſſet als Andenken und Erinnerungszeichen an Euren hocherfreulichen Beſuch. Velasquez deutete dabei auf einige ſeiner Hauptwerke und reichte Rubens eine Palette ſammt Pinſel in der Hoffnung, der große Meiſter werde einen Strahl ſeines Genius auf eines der Bilder in ſeinem Studio ausgießen.

Alles, was ich hier ſehe, iſt vollendet, ſagte Rubens.Doch will ich einen Verſuch machen. Er ſah einen Rahmen, der mit der Vorder⸗ ſeite gegen die Wand gelehnt war, und beugte ſich in der Meinung, daß dies ein unfertiges Bild ſei, nieder, um es aufzunehmen. Als er das darauf befindliche Gemälde bemerkte, ſtieß er einen Ruf der Ueberraſchung aus. Es war die nachher ſo berühmt gewordeneGrablegung.

Der Mulatte zitterte vor Angſt, wie er ſah, daß Rubens dieſes Bild ſo aufmerkſam betrachtete, denn es war eines von denen, die er in ſeinem Dachſtübchen gemalt und früh morgens, noch ehe Velasquez und ſeine