Jahrgang 
1 (1864)
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62 Juan Pareja, der Mulattenkünſtler.

Namen gemacht, und Philipp IV., ein Freund der Künſte, ſtand oben an unter denen, welche den Genius des Künſtlers anerkannten; auch hatte ihn der König zu ſeinem Kammerherrn ernannt, eine Würde, die früher nur an Perſonen von Rang und hoher Herkunft ertheilt worden war.

Eines ſchönen Morgens ging es ſehr rührig her in dem Hauſe des Velasquez. Der Vorbof war friſch mit Sand beſtreut; die Teppiche wurden ausgeklopft und friſch gelegt, die Gemälde in die beſten Lichter geſtellt kurz, alles deutete darauf hin, daß man keinen gewöhnlichen Beſuch erwartete. In dieſem Getümmel erwies ſich niemand eifriger, als der arme Sklave, obgleich jedermann ihm Befehle gab und alles im Vor⸗ gefühl eines großen Ereigniſſes ſchwelgte. An jenem Tag ſollten näm⸗ lich zwei hohe Perſonen das Atelier des Meiſters beſuchen. Die eine davon war der König; doch dieſer pflegte zu oft einzuſprechen, als daß man um ſeinetwillen ſo viel Aufhebens hätte machen ſollen. Der andere Beſuch war Peter Paul Rubens von Antwerpen, der in den Augen des Meiſters ſowohl als der Schüler weit höher ſtand, als Philipp, der König von Spanien und Indien. Rubens galt ihnen als ihr Souverän, als der König der Maler und der Großmeiſter der Kunſt. In jener Periode gab es durch ganz Europa kein Land, in welchem nicht der Name Ru⸗ bens mit Verehrung und Begeiſterung genannt wurde; er war in Holland und in Spanien, in Frankreich, Deutſchland und Italien überall gleich geſchätzt.

Auch die Könige rechneten ſich's zur Ehre, den großen Meiſter ehren zu können. Maria von Medicis zeichnete ihn aus; die Infantin Iſabella war entzückt, wenn ſie vor ſeiner Staffelei ſaß, und Philipp IV. über⸗ häufte ihn mit Ehrenbezeigungen. Der unglückliche erſte Karl von Eng⸗ land ſchlug ihn zum Ritter und beſchenkte ihn mit dem Schwert, mit welchem ihm dieſe Würde ertheilt worden; auch gab er ihm einen Dia⸗ mantring, die Agraffe ſeines Huts in einem Werth von zehntauſend Kro⸗ nen, und eine ſchwere goldene Kette mit ſeinem eigenen Miniaturporträt. Dieſe Anerkennung war auch wohl verdient, denn die Gemälde des großen Niederländers hingen in allen Gallerien Europas. Er hatte Maler⸗ und Kupferſtecherſchulen gegründet, welche ſpäter die Welt in Staunen ver⸗ ſetzten, und auch ſein architektoniſches Talent dadurch bekundet, daß er ſich ſelbſt einen Palaſt baute und den Plan zu der prachtvollen Jeſuitenkirche in Antwerpen entwarf. Als Philoſoph ſtand er in Correſpondenz mit