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Von Otto Jäger. 61
der Ueberbringer nicht auch mit? Du gehörſt in Zukunft dem Sennor Velasquez.“
Der arme Mulatte mit ſeinen dicken Lippen, ſeinem Wollkopf und ſeinem durch die Sklaverei verſchüchterten Weſen erſchien den Schülern des Velasquez nur in dem Lichte eines fremden Thiers, mit dem ſie un⸗ geſtraft ihren Spaß haben konnten. Die Art, wie er in das Atelier gekommen— durch einen Fußtritt— wurde für ſie eine unerſchöpfliche OQuelle praktiſcher Scherze, und ſpottweiſe gaben ſie ihm den Namen ſei⸗ nes früheren Herrn, den er ſtets beibehielt. Velasquez ließ ihn Farben reiben, das Atelier in Ordnung halten und behandelte ihn ſtets mit Güte; ſobald aber der Meiſter der Thüre den Rücken kehrte, hatte er von den muthwilligen, gedankenloſen Zöglingen tauſend Schabernack auszuſtehen. Eine Zeitlang ließ er ſich dieſe Behandlung mit geduldigem Schweigen gefallen; endlich aber gab ihm die Verzweiflung der Gedanken ein, den ſtetigen Plackereien des jungen Volks dadurch auszuweichen, daß er in der Abweſenheit ſeines Herrn in einem faſt unzugänglichen Dachſtübchen Zuflucht ſuchte.
Man hat behauptet, der Menſch ſei ein nachahmendes Thier, der Fleiß befördere die Induſtrie, und die Künſte pflanzen ſich ſo zu ſagen durch Anſteckung fort; um jedoch einen wahren Künſtler zu bilden, iſt weit mehr nöthig, als Fleiß und Vorbild, obſchon nicht zu leugnen iſt, daß dieſe Momente bisweilen einen künſtleriſchen Geiſt zur Entfaltung bringen, wo er nicht angeboren geweſen zu ſein ſcheint. Juan konnte nicht zwei Jahre lang Zeuge ſein, wie vor ihm Gemälde entſtanden und von den höchſten Perſonen voll Bewunderung angeſtaunt wurden, ohne daß ſich in ihm die unüberwindliche Begierde entwickelte, ſelbſt auch etwas Aehnliches herzuſtellen. Um ſich in ſeinem einſamen Stübchen die lange Weile zu vertreiben, verſuchte er es mit dem Malen, konnte aber dabei nur alte Pinſel, welche die Zöglinge als unbrauchbar weggewor⸗ fen, und kleine Farbenreſte, den Abfall des Ateliers, benützen. Er wußte wohl, daß er nur ein Kleckſer war, fühlte ſich aber glücklich bei ſeiner Beſchäftigung und betrieb ſie ſo in aller Stille, daß weder in Velas— quez, noch in ſeinen Schülern eine Ahnung aufſtieg, ihr Farbenreiber könne auch nur eine Idee vom Malen haben.
Diego Velasquez war zu der Zeit, von der wir ſchreiben, nicht mehr als vierunddreißig Jahre alt, hatte ſich aber bereits einen bedeutenden


