Jahrgang 
1 (1864)
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Memoiren eines alten Gaſtwirths.

ſchlüſſel? fragte er erſtaunt.Ich meine, der Schrank ſei erbrochen ge⸗ weſen?Ei nicht doch, unverletzt und heil, Herr von Hohneck, ſo daß es natürlich nur mit einem Nachſchlüſſel zu machen war, obgleich es mir dadurch erſt recht räthſelhaft wird. Denn der Schlüſſel kommt ja nie in fremde Hände.

Der Fabrikant, um auch über den ein Wort zu ſagen, hatte in unſerer Stadt keine Geſchäfte, hielt ſich aber, wenn er dieſe Tour machte, jedes⸗ mal einige Tage bei uns auf, um alte Freunde und Bekannte aufzuſuchen, die in Stadt und Umgegend lebten. Er hatte meiſtens ſehr bedeutende Summen bei ſich, welche er dann meinem ſeligen Vater zum Aufbewahren anvertraute, nachdem er ſie in dem Wechſelgeſchäft von Mohrmann und Söhne in heimiſches Gold und Papier umgeſetzt. Denn er brachte ge⸗ wöhnlich amerikaniſches Gold und Silber mit, welches ihm Mohrmanns grade gern abnahmen, da ſie mit einem großen Auswanderungsgeſchäft in Bremen in Verbindung ſtanden und das fremde Geld nie in genügen⸗ den Maſſen herbeiſchaffen konnten. Außerdem brachte der Fabrikant ich will ihn Herr Wilhelmi heißen auch noch mancherlei für die Freunde und Bekannten mit, um deſſen Beſorgung ſie ihn gebeten, und endlich führte er ſtets reiche Geſchenke für ſeine Familie bei ſich, ſo daß für einen Langfinger, der davon wußte und ihm nahe kommen konnte, hier allerdings ein ganz erträgliches Geſchäft zu machen war. So war denn auch diesmal ſein Koffer hübſch ſchwer, und ein freundlicher Herr, vwie er war, brachte er Abends vor dem Nachteſſen ein paar für ſeine Familie beſtimmte Schmuckſtücke herab in's Wohnzimmer um ſie meiner Mutter zu zeigen und ſich über ihre Freude zu freuen.

Frau von Hilling war grade bei einem nachbarſchaftlichen Beſuch im Zimmer, da Herr Wilhelmi eintrat. Sie kannte ihn gleichfalls ſchon von ſeinen früheren Reiſen her, begrüßte ſich mit ihm und verweilte noch einige Augenblicke, um das Vorgezeigte zu betrachten. Es waren ein Collier von Topaſen für ſeine Frau, das meiner Mutter ganz beſonders gefiel, und Ohrringe und Armband für ſeine Tochter, allerliebſte Stücke, auf denen die eingelegten Steine auf das natürlichſte Stiefmütterchen nach⸗ ahmten. Darüber war Frau von Hilling ganz in Entzücken.

Nun gut, am folgenden Morgen ſuhr Wilhelmi nach Heſſenberg hinaus, deſſen Beſitzer ſein alter Freund und Auftraggeber war. Er wollte erſt gegen Abend wiederkommen, und da die Gelegenheit ſo günſtig