Jahrgang 
1 (1864)
Einzelbild herunterladen

Memoiren eines alten Gaſtwirths.

Subject erwieſen. Natürlich ſei der Name noch nicht zu nennen. Wir möchten aber vorſichtig ſein und Acht geben. Der Gauner gehe viel⸗ leicht ſelber in das Netz. Daher werde auch noch der Steckbrief zurück⸗ gehalten. Und zum Schluß kam dann der Satz: wir ſollten hiervon nie⸗ mand dreifach unterſtrichen etwas ſagen, außer dem Polizeidirector, den Gauner, wenn er ſich noch einmal zeigen ſollte, aufnehmen, als ob nichts geſchehen wäre, und ihn dann womöglich auf der That ertappen, endlich genau darauf achten, wie er mit Hillings ſtehe und verkehre.

Ich kann wohl ſagen, daß uns dieſer Brief, da der Alte ihn der Mutter und mir vorlas, kurios genug vorkam, und daß uns das Ver⸗ langen, dem Menſchen, wenn er ſich bei uns ſehen laſſe, noch wonnöglich Careſſen zu machen, nicht zu Sinn wollte.Das kann ich nicht, u ſagte die Mutter entſchieden. Und:das mußt du können, oder 6 ſchlägt ein Donnerwetter darein! Baſta! verſetzte mein ſeliger Vater barſch der Trumpf war da und wir hatten uns zu fügen. Ich war übrigens gleich überzeugt, daß der Alte uns nicht den ganzen Brief vorgeleſen, den er zuvor für ſich allein durchſtudirt hatte und nun vor unſeren Augen in den Ofen ſchob. Darauf verkehrte er in den nächſten Tagen ein paar⸗ mal mit dem Polizeidirector, beſichtigte auch mit ihm, ohne daß wir's merken ſollten, die beiden Zimmer, und nahm ſich, da Agnes Abends er⸗ ſchien, dieſe auf die Seite und verhandelte mit ihr, Gott mochte wiſſen was. Hernach hab' ich freilich auch davon erfahren, allein zu jener Zeit blieb uns dies alles im Dunklen, war die Agnes ſo ſtumm wie ein Fiſch und hing dazu den Kopf, als ob er über rſchwer ſei.

Es war zu der Zeit wieder Meſſe wir heißen ſie die Simon⸗ und Judä⸗Meſſe, weiß man näherte ſich aber ſchon ihrem Ende, ja es waren von unſeren Gäſten bereits ein paar abgereist, denn ſo gut die Oſtermeſſe geweſen, ſo unbedeutend war bieee Da brachte eines Tags mein Vater es war nicht mir allein aufge

gefallen, daß er neuerdings, was er ſeit meiner Rückkehr ſonſt meiſtens mir Vben laſſen, wieder ſelbſt anlangende Fremde an der Hausthür empfing, zwei Gäſte in die Gaſt⸗ ſtube, die eben angekommen waren, einen uns ſehr wohl bekannten großen Fabrikanten aus Hersfeld, der auch vordem ſchon häufig bei uns eingekehrt war, und beim Blitz, den ſauberen Herrn von Hohneck. Dieſer Letztere ſprang auf mich zu mit ſeiner dummen ſpaßhaften Manier, als

wolle er mich umarmen oder Gott weiß was, allein ich bat ihn, ſo be⸗