Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer. 43

chen als Schwiegertochter annehmen und zu einer Heirath Ja und Amen ſagen ſollten, konnte ich am Ende nicht vorausſetzen, zumal ſie ja dem Stande nach, trotz ihrer augenblicklichen Stellung, eigentlich über uns war. Sie war und blieb eben immer eine Hauptmannstochter, und ſo eine wird nicht ſo ohne Weiteres Frau Gaſtwirthin. Nun aber die Alten ſo gar nichts daraus machten, meinte ich mich auch meiner eigenen Skrupel begeben zu dürfen.

Und ſo nahm ich mir vor, ihr von jetzt an etwas ernſtlicher auf den Leib zu rücken und ihr von mir das rechte Verſtändniß zu eröffnen. Bange war mir durchaus nicht. Sie war neuerdings immer ſanft er⸗ röthet, wenn ich mich ihr einmal freundlich genaht und ein wenig mit ihr geſcherzt. Ich war zu der Zeit ein ganz ſauberer Menſch, der ſich zu kleiden, zu tragen und zu reden verſtand, wie es die Frauenzimmer gern haben. Machte ſie mir nur einige Avancen, ſo würd' ich es an mir nicht fehlen laſſen; das traute ich mir zu. Und es zeigte ſich auch bald, daß ich nicht ſo Unrecht gehabt. Mamſell Agnes nahm mein neues Weſen, wenn zu Zeiten auch ein wenig ſchüchtern und verſchämt, ganz gut auf, wurde bekannter mit mir und vertrauter und ließ ſich zu anderen Stunden, was bisher nur ſelten geſchehen, auch mir gegenüber in ihrer eigenen Natur gehen. Das heißt, ſie neckte und ſcherzte, ſpottete auch wohl einmal, derkleine Gottfried kam jetzt häufiger zu Platz, und ich empfand das nicht mehr ſo arg, ſondern dachte dabei an den alten Fun⸗ damentalſatz jeder Liebſchaft:was ſich neckt, das liebt ſich. Und im Uebrigen gab ich es ihr bei Gelegenheit redlich heim.

Es war inzwiſchen October geworden und faſt ſchon November. Von Herrn Roman traf ein neuer Brief ein, der uns von ſeiner Begeg⸗ nung mit dem rechten Herrn von Hohneck erzählte, einem jungen luſtigen, ja wilden Herrn, den man aber nicht einen Augenblick mit dem Burſchen verwechſeln dürfe, welcher uns betrogen und ihn beſtohlen. Er ſei jetzt auch mit der Sprache offen herausgegangen, da er keine Furcht mehr habe, eine angeſehene und ehrenwerthe Familie unheilbar zu blamiren. Natür⸗ lich beſtehe auch Hohneck ſelber auf eine Verfolgung und Entlarvung ſeines Doppelgängers und habe bereits Schritte gethan, den Rechten zu packen. Er habe nämlich einen Menſchen in Verdacht, der ihm vordem auf der Univerſität ſehr nahe geſtanden, ja von ihm in alle ſeine Familienver⸗ hältniſſe eingeweiht worden, nachher ſich jedoch als ein ganz ſchlechtes