42 Mewoiren eines alten Gaſtwirths.
ſeliger Vater noch einer von der alten Art war und ſein Geld größten⸗ theils bei ſich im Hauſe und Kaſten behielt.
Ich brauche wohl nicht erſt zu verſichern, daß die Agnes ſeit der Entdeckung des Schrankgeheimniſſes bei uns allen einen noch größeren Stein im Brett hatte. Ja mein Vater ſagte zu dieſer Zeit mehr als einmal, er wünſche nur, daß er bald Gelegenheit habe, ihr recht'was zu gut zu thun, um ſeine Schuld gegen ſie abzutragen. Daß dieſe Affaire in's Klare gekommen, ſei ihm lieber als alles, ſolche Blame dürfe auf keinem reputablen Geſchäfte haften bleiben. Und einmal, da ſie auch wieder dageweſen und, wie ich's ſchon früher erzählt, meiner Mutter eifrig zur Hand gegangen, meinte er ihr nachſehend:„ja ja, Alte, wenn wir ſolche Söhnerin hätten, könnten wir das Haus ruhig abgeben und einmal in Frieden die Augen zuthun!“—„Haſt Recht, ſie iſt ein Pracht⸗ kind,“ verſetzte die Mutter, die Hände in die Schürze wickelnd, denn es wurde ſchon wieder kühl und die Alten ſtanden bei dem Geſpräch vor der Thür;„wenn ſie nur nicht ſo ganz arm wäre!“—„Ach was, dummes Zeug!“ meinte der Alte,„das wäre das Wenigſte und obendrein hat ſie eine ganz wackere Ausſteuer noch von ihrer ſeligen Mutter her, wie mir dazumal der Vormund geſchrieben. Wenn ſie nur wollte und — was ſchwänzelſt du da wieder herum, Naſeweis?“ fuhr er mich jäh⸗ lings an, der ich ganz unſchuldig in der Nähe ſtand und doch nichts da⸗ für konnte, daß die Alten mich nicht bemerkt.„Daß der Junge, der Talps, Einem doch auch überall auf den Zehen herumtritt! Marſch fort und ſuch' dir was zu thun, es gibt genug!“
Na ich kann ſagen, das Gehörte war von der Art, daß ich die nach⸗ folgenden Schelte wenig äſtimirte; es zündete mir im Kopf allerlei Lichter an und machte mein Herz ſo jubelvoll, wie mir's wohl als kleinem Jun⸗ gen begegnet, wenn ich einmal die Alten belauſcht hatte, wo ſie über meinen Weihnachtsbaum und die dazu gehörigen Geſchenke konferirt. Mir war bisher recht gepreßt und dumm zu Muth geweſen, da ich auf der einen Seite die kleine liebe Agnes immer lieber angeſehen und ſie inner⸗ lich immer beſſer als das erſte Frauenzimmer in der ganzen Welt erkannt, und auf der anderen Seite doch nie die Courage finden konnte, ſie mein Herzensgeheimniß merken zu laſſen, geſchweige denn es ihr zu kommu⸗ niciren und ehrbar um ihre Gunſt zu werben. Wie's mit ihr ſtand, wußte ich ja ſo gut wie Einer, und daß meine Alten ein ſolches Mäd⸗
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