Von Edmund Hoefer. 41
anders, und ſiehſt du, darum gedenke ich dir dies mein Lebenlang. Nun muß er uns wohl beſtehen laſſen!“
Wir machten unter uns aus, daß niemand von der Sache erfahren dürfe, und auch mein ſeliger Vater ſtimmte darin mit uns, da er die Geſchichte gehört und das Loch beſichtigt, überein, nahm die beiden Zim— merſchlüſſel in Verſchluß, daß niemand hinein könne, bevor der Polizei⸗ director unter der Hand davon unterrichtet ſei und ſich das Ding ange⸗ ſehen habe. Erſt dann wurde alles wieder in Ordnung gebracht und die Zimmer an Gäſte vergeben. Am ſelben Nachmittag aber mußte ich für den ſeligen Vater noch nach Hanau an Herrn Roman ſchreiben und ihm alles mittheilen, damit er nun weitere Schritte thun und auf den heil⸗ loſen Menſchen fahnden laſſen könne. Er ſchrieb umgehend wieder mit vielem Dank und der kurioſen Nachricht, daß die Spur des Herrn von Hohneck auf der dritten Poſtſtation von uns verſchwunden. Dort habe am bezeichneten Tage niemand Extrapoſt genommen. Und zweitens er⸗ kläre der Schwager des Herrn es für unmöglich, daß er vorm Jahre in unſerer Stadt und jetzt von neuem dort mit Roman zuſammen geweſen. Im vergangenen Sommer habe er bei einem Freund im Elſaß gelebt und ſei gegenwärtig und ſeit dem Tode der Mutter auf einer landwirth⸗ ſchaftlichen Reiſe durch Belgien und England.—
So wären wir alſo alle und ſogar der ächte Herr von Hohneck, die Opfer eines wirklichen Gauners geworden? fragten wir einander, fragte jeder ſich ſelbſt. Und waren wir den frechen Menſchen jetzt los, oder galt es noch neuen Unternehmungen zu begegnen? Wie er bei uns auf⸗ getreten war, durfte man das Schlimmſte befürchten, und ich geſteh's offen, daß ich von der Zeit an ſtets einen Stockdegen und einen Kaval⸗ lerieſäbel, den mein Vater anno Sechs bei der preußiſchen Retirade von einem Dragoner erſtanden, an meinem Bett ſtehen hatte. Denn ich wohnte abgelegen, auf der rechten Giebelſtube, ganz oben im Hauſe, während die Mädchen noch über mir in den Kammern hausten, die Eltern parterre und die beiden Knechte auf dem Hofe ſchliefen, ſo daß ich im Nothfall ganz auf mich angewieſen war. Da bin ich denn mehr als einmal, wenn ich ein aufſällig Geräuſch hörte, Nachts durch das Haus gewandert, in der einen Fauſt den Säbel, in der anderen mein Licht. Ich dachte immer, es werde einmal einen Einbruch geben; es wußten Leute genug, daß mein


