Jahrgang 
1 (1864)
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Memoiren eines alten Gaſtwirths.

An der Wand, über dem Schranke drunten, ſtand das Sopha und ein Kleiderſtänder, die waren bald zur Seite gerückt, und wir unterſuchten nun das Brett zunächſt der Mauer, das ſich in der That gar nicht recht feſt zeigte. Ja als ich auf der einen Seite drauf trat, hob es ſich auf der anderen, ſo daß Agnes drunter faſſen und es ohne Mühe vollſtändig aufheben konnte. Der Zwiſchenraum fand ſich ſeltſamer Weiſe ganz leer, obgleich er ringsumher, wie allerwärts in dieſer Etage, mit Häckſel aus⸗ gefüllt war, und wir ſahen daher gleich, daß die Verſchalung der unteren Zimmerdecke rechts und links auf das ſauberſte durchſchnitten war grade oberhalb des Schranks. Und auch hier beſtätigte ſich Agnes' An⸗ gabe. Das ausgeſchnittene Stück war zu beiden Seiten mit neuen Nägeln befeſtigt worden, neben denen die alten roſtigen Nagellöcher ſichtbar ge⸗ blieben waren. So war denn die Sache leider Gottes klar genug und jeder Zweifel gehoben. Und als ich eine Zange geholt und die Nägel ausgezogen, hob ich das Stück mit der anhängenden Decke der einen Schrankſeite ſäuberlich ab und konnte mit ausgeſtrecktem Arm bequem auf das oberſte Brett hinab langen, ja dasſelbe, da es vorn nicht feſt an die Thür ſtieß, ſogar aufheben und auf dieſe Weiſe auch den darunter be⸗ findlichen Raum zugänglich machen. So war denn auch jene abgeriebene Stelle unterhalb des Bretts erklärt, der Dieb hatte augenſcheinlich einen Haken hineingeſchoben und damit das urſprünglich vielleicht etwas feſt liegende Brett aufgehoben.

Die Augen, die wir machten, waren ſo groß ſie irgend werden konnten. Was gehörte zu dieſer Vorrichtung, wenn ich's ſo heißen darf, für ein Gaunerkopf und für eine Gaunergeſchicklichkeit! Meine Mutter war nach dem erſten Staunen und Starren ganz außer ſich.Nein, der nichtswürdige Menſch! rief ſie bald und bald wieder:hätteſt du's da⸗ mals nur geſagt, Kind! und von neuem, indem ſie die Agnnes ſchier umarmte:aber das thut nichts, ich danke dir's mein Lebenlang, daß du uns Licht verſchafft und wir nun vor dem Herrn Roman doch wieder als ehrliche Leute beſtehen können!Na, Mamachen, ſagte die Agnes dazu ganz beſtürzt,Ihr könnt doch nicht glauben, daß.Ich glaube gar nichts, Kind, fiel ſie ein,aber ich weiß, daß der Herr Roman auch nur ein Menſch iſt und uns natürlich nicht grade im Verdacht hat, aber doch immer mißtrauiſch und widerwillig an uns zurückdenkt. Das iſt nicht