Jahrgang 
1 (1864)
Einzelbild herunterladen

34 Memoiren eines alten Gaſtwirths.

haupt nur in's Zimmer gelangt.Hohneck warf der Juwelier zweifelnd hin.Nein, Herr Roman, fiel mein ſeliger Vater raſch ein,ebenſogut kann ich's ſelber geweſen ſein. Herr von Hohneck iſt nie ohne Sie in dieſem Zimmer geweſen.Auch vorm Jahre nicht? fragte der Juwelier finſter.Ich muß wohl an ihn denken, da er der Einzige, der den Schrank vielleicht einmal offen und ſeinen Inhalt ſah. Auch vorm Jahre nicht, ſagte der Alte ebenſo beſtimmt.Das Zimmer iſt damals während ſeiner ganzen Anweſenheit von dem Herrn General von Barnau bewohnt geweſen, der hier in Aushebungsange⸗ legenheiten verweilte und keinerlei Verkehr mit ihm hatte. Roman ſchüttelte den Kopf und ſchwieg, ohne jedoch überzeugt zu ſein. Und ſeltſamerweiſe ging's mir ſelber juſt ſo, ja ich hatte gleich von Anfang an ihn gedacht und konnte den Gedanken gar nicht los werden. Ich traute ihm einmal nicht, und ich möcht's ſchier beſchwören, es war In⸗ ſtinct und nicht Rancune.

Es verſteht ſich von ſelbſt, daß in unſerem Hauſe und bei allen Ein⸗ wohnern der ſelige Vater gab's nicht zu, daß eine Ausnahme ſtatt⸗ fand die allerſchärfſte Nachſuchung vorgenommen wurde, und nicht minder verſteht es ſich, daß man nichts entdeckte. Herr Roman wollte es überhaupt gar nicht. Es ſei lächerlich, meinte er, der Dieb, wenn er wirklich noch da, werde den Schmuck nicht im Hauſe behalten und zwiſchen ſeinen Effecten aufbewahren. Allein Ordnung muß ſein! wie ſchon Hans ſagte, da ſie ihn in's Spinnhaus brachten, und ſo geſchah auch, was ge⸗ ſchehen mußte. Am mißlichſten war es jedenfalls, daß der Juwelier nicht einmal beſtimmen konnte, wann der Diebſtahl geſchehen es konnte geſtern, es konnte aber auch ſchon vor acht Tagen der Fall geweſen ſein. Einſtweilen blieb nichts übrig, als die Sache in öffentlichen Blättern anzuzeigen und den Schmuck zu beſchreiben, während man zugleich auch in unſerer Stadt und in den Nachbarſtädten genau acht gab, ob der Dieb nicht doch noch wo ſtecke und ſich verrathen möge.

Natürlich war vom Hinausfahren zu jenem Gutsherrn keine Rede mehr, der Schmuck, den er begehrt, war ja verſchwunden. Und ſomit reiste der Juwelier, ſeinem Vorſatze gemäß, am nächſten Morgen ab, ich brauche wohl nicht erſt zu ſagen, in welcher Stimmung. Er ſchlug den gleichen Weg ein, den zwei Tage vor ihm Herr von Hohneck gefahren, und ſagte uns noch beim Abſchied, daß er den Mann im Stillen ver⸗