Von Edmund Hoefer. 31
ihr gänzlicher Verluſt! Und überdies ſind wir, auf Ehre, doch nicht un⸗ geduldig geweſen, wenn ich der Dame jetzt auch das beſtimmte Verlangen nach dem Gelde ausdrücken mußte. Ich geſtehe, daß mir dies gar nicht von ihr gefallen hat— nur ſie kann den wackeren Herrn durch ihre Darſtellung der Sache zu ſolchen Vorwürfen vermocht haben.“— Er war wirklich erzürnt, da er ſo ſprach, und auch uns nahm dies alles um ſo mehr Wunder, da einerſeits Herr von Heſſenberg ein billiger und ge⸗ rechter Mann war und andrerſeits bisher zwiſchen dem Hilling'ſchen Hauſe und dem Juwelier das höflichſte Einvernehmen ſtattgefunden hatte. Er war in dieſen Wochen mehrmals dort Abends freundſchaftlich aufgenommen worden und hatte ſtets von neuem Frau von Hilling für eine der liebens⸗ würdigſten Damen erklärt, die er kennen gelernt.
Am nächſten Tage ging er zur paſſenden Zeit hin und kam kurz vor dem Mittagseſſen mit ſeinem Gelde, im Uebrigen aber ſichtbar ver⸗ ſtimmt zurück. Doch ließ er ſich nicht weiter darüber aus, gab das Geld meinem Vater zum einſtweiligen Aufheben und nahm ſeinen Platz am Tiſch ein, nach und nach ſeine behagliche Laune wieder gewinnend, ſo daß er nach Beendigung der Tafel noch mit einigen Nachbarn eine Flaſche zum Abſchied trank. Denn am folgenden Morgen wollte er fort, und ließ ſich in dieſem Vorſatz auch nicht irre machen, als ihm der Johann ein Billet hereinbrachte, das er eben von einem Reitknecht jenes Herrn erhalten, der bei Heſſenberg die Schmuckſachen geſehen und wegen eines Stücks mit dem Juwelier unterhandelt hatte. Nun ſchrieb er, daß er ſich dennoch zum Ankauf entſchloſſen, und bat Herrn Roman mit dem Schmucke hinauszukommen, wo denn das Geſchäft gleich abgemacht werden ſollte.
„So laßt anſpannen, Herr Kronberg,“ ſagte der Juwelier und ſtand auf.„Denn wir haben keine Zeit zu verlieren. Es bleibt dabei, ich reiſe morgen früh. Hebt mir derweil auch das Geld bis heut Abend auf, Herr Wirth.— Alſo leben Sie wohl, meine Herren.“ Und nach kurzem Abſchiede verließ er das Zimmer, um hinaufzugehen und den Schmuck zu holen, den er, da er ihn öfters vorgezeigt, mit einigen gleichen Stücken droben im Wandſchrank behalten hatte, während die ungefaßten Steine von meinem ſeligen Vater aufbewahrt wurden.
Es waren keine fünf Minuten vergangen, als wir von oben herab — die Thür des Speiſeſaals ſtand der Hitze wegen offen,— ſeine Stimme in den lauteſten, heftigſten Tönen über meinen Vater rufen


