Jahrgang 
1 (1864)
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30 Memeoiren eines alten Gaſtwirths.

jenen Symptomen, aus denen man auf eine unglückliche Liebe ſchließen will. Und als an einem der nächſten Tage Herr Roman Abends be⸗ merkte, daß er nun bald abreiſen zu können hoffte, da ſeine Angelegen⸗ heiten ſich ihrem Ende nahten, ſo erklärte der Andere recht grämlich, ſo ergehe es auch ihm, nur mit dem Unterſchied, das der Juwelier von ſei⸗ nem Aufenthalt Profit gehabt und er nichts als Langeweile.Der dumme Streich vom vorigen Jahr, ſügte er finſterblickend hinzu,trägt ſeine Folgen, obgleich ich bei Gott nicht mit meinem Willen dazu gekommen bin. Denn ich mußte nach Hauſe und hatte kaum noch das Reiſegeld, da mir die verſprochene Geldſendung vorenthalten wurde. Ich könnte noch jetzt darüber fluchen!

Nachdem ihm wieder einen oder zwei Tage ſpäter der Poſtbote mor⸗ gens einen Brief gebracht, kam er alsbald herunter, erklärte abreiſen zu müſſen, beſtellte Poſt und ging zu Steuerraths zum Abſchied. Bald kam er zurück, ſichtbar finſter und niedergedrückt wie Agnes erzählte, hatte er das Fräulein nicht mehr geſehen ſchüttelte meinem ſeligen Vater und der Mutter die Hand, belohnte Zimmermädchen und Hausknecht an⸗ ſtändig, gab mir nichtswürdiger Weiſe einen Naſenſtüber, über den ich ihn nicht einmal zur Rede ſtellen durfte, da der Alte dazu lachte, und fuhr davon. Herrn Roman ließ er grüßen und hoffte ihn bei ſeinem Schwager wiederzuſehen. Schuldig blieb er diesmal nichts. Der Alte hatte das Anerbieten, alles tageweiſe zu bezahlen, ruhig angenommen und feſtgehalten.

Der Juwelier war an dieſem Tage nach Heſſenberg gefahren, um den fertigen Schmuck abzuliefern, und bedauerte, da er Abends zurück⸗ kehrte, die Abreiſe des Bekannten ſehr.Es iſt ein thörichter Menſch, ſagte er.Hätte er bis übermorgen gewartet, ſo wären wir zuſammen gefahren und um ein gut Theil billiger. Allein haushalten und ſparen lernt er nicht.Wollen Sie wirklich ſo bald ſchon fort? fragte mein ſeliger Vater.Bald? Nun, Herr Kronberg, ich bin faſt drei Wochen hier und es wird Zeit für mich nach Hauſe. Morgen iſt der Termin bei Frau von Hilling ſie hat das Geld, Herr von Heſſenberg ſagte mir davon, daß er es ihr vorgeſchoſſen, und hielt mir eine Vor⸗ leſung über meine Ungeduld, die Dame ſei ihm ſicher genug und dürfe es auch mir ſein. Der hat gut reden, der Herr Millionär! Was ſind dem drei⸗, viertauſend Gulden Ausfall auf ein paar Jahre, oder ſogar