Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer. 29

Als mein ſeliger Vater am folgenden Tage, da Hohneck zu Steuer⸗ raths gegangen war, Herrn Roman davon unterrichtete, wer der neue Gaſt ſei, verſetzte der Juwelier lebhaft:mein Gott, Freund, hättet Ihr mir früher den Namen genannt, ſo würde ich Euch gleich geſagt haben, daß da vielleicht von einem leichtſinnigen Streich, ſicherlich aber von kei⸗ nem Betruge die Rede. Ich habe den jungen Mann zwar erſt jetzt in Leipzig perſönlich kennen lernen, allein ſonſt weiß ich längſt von ihm durch einen ſeiner Schwäger, der ganz in der Nähe von Hanau wohnt. Die Verwandten klagen über ihn, lachen über ihn und behalten ihn trotz⸗ dem lieb, geſtehen auch willig zu, daß die Mutter ihn auf das allerver⸗ kehrteſte behandelt, früher ihm alle Tollheiten nachgeſehen, zuletzt ihn ſelbſt im billigſten beſchränkt habe. Nun iſt ſie im Winter geſtorben. Ha, er gab's im vorigen Jahr als Grund ſeiner ſchnellen Abreiſe an, daß er zu ihrem Todtenbett gerufen ſei, ſchob mein Vater ein. Ganz recht, erwiderte Herr Roman ruhig,ſie hatte damals den erſten Schlaganfall, von dem ſie ſich jedoch unverhofft wieder erholte. Hohneck's Schwager reiste damals auch über Hals und Kopf zu ihr hinüber.

Die Tage gingen hin, einer wie der andere, der Juwelier beendigte ſeine Geſchäfte, Herr von Hohneck war in der That nicht viel daheim, ſondern immer unterwegs und beſonders bei Steuerraths, mit denen er alſo ſeinen Frieden ebenſo gründlich gemacht, wie mit den Meinen. Auch nach Heſſenberg ritt er ein paarmal und war dort, wie er lachend be⸗ richtete, nach einer großen Strafrede des alten Herrn wieder zu Gnaden angenommen worden. Am meiſten verkehrte er aber doch im Hilling'ſchen Hauſe, wo er es, wie Agnes merken ließ, auf Fräulein Bertha abgeſehen zu haben ſchien. Nur hatte das Mädchen meiner Mutter nicht verhehlt, daß ſie nicht an einen günſtigen Ausgang glaube. Ihr Fräulein ſei gegen ihn nichts weniger als ermuthigend, nicht wie wohl einmal gegen Andere, ſpöttiſch und ſchnippiſch, ſondern was man ſo recht kalt und ſtolz nennen müſſe, und die Agnes hatte ſie zur Mutter ſagen hören: man möge ſie mit dem Menſchen verſchonen, er widerſtehe ihr; worauf denn die Mutter ganz ungewöhnlich heftig geworden, ohne jedoch damit etwas auszurichten.

Auch zeigte ſich nach einigen Tagen, daß Agnes wohl recht geſehen, wenigſtens wurde der Herr von Hohneck plötzlich ſtiller als bisher, auch weniger zum Scherz aufgelegt, lief in ſeinem Zimmer zu Stunden, wo

Rer ſonſt nie daheim, raſtlos auf und ab, kurz zeigte mehr als eines von