Memoiren eines alten Gaſtwirths.
„Könnt's nicht behaupten, mein Herr,“ ſagte ich dann, ich muß geſtehen, daß ſeine Art mich nicht nur verblüffte, ſondern mich auch nicht grade erfreute.„Es iſt augenblicklich niemand weiter da als ein Herr Roman aus Hanau.“—„Roman aus Hanau? Felix Roman, der Juwelier?“ rief er, ſich zu mir raſch umwendend.—„Allerdings,“ verſetzte ich,„Felix hat er ſich eingeſchrieben und auch als Juwelier, hat hier überdies auch ſolche Geſchäfte.“—„Ei, das iſt ja charmant!“ ſagte er ſichtbar erfreut, „habe den Herrn vor drei Wochen in Leipzig getroffen und einen ſehr vergnügten Tag mit ihm verlebt. Alſo decket mein Couvert zu dem ſei⸗ nen und ſtellt mir eine Flaſche Champagner in Eis. Hier ſind drei Thaler.“—
„Genau ſo, wie vor dem Jahre,“ meinte mein ſeliger Vater, als ich ihm von dieſer Unterhaltung erzählte.„Ein Windbeutel durch und durch, dem man eigentlich kaum gram werden kann. Ein leichtſinniger Menſch, der über alles ſeine Witze macht, auch über ſein eigen Malheur. Freut mich übrigens, daß er wieder da und ſomit wirklich kein ſchlechter Kerl. Habe ihn alſo zu Anfang richtig taxirt und ihm nachher Unrecht gethan. Freut mich, ſage ich!“—„Mich aber freut's gar nicht,“ be⸗ merkte die Mutter, die auch dabei ſtand, ein wenig verdrießlich.„Nun geht die Jagd mit den Dirnen wieder an, und ich will dir nur gleich ſagen, Vater, die laſſe ich nicht zu ihm hinauf;'s iſt ohnehin nicht viel Rares an ihnen, und bei dem kommen ſie ganz aus Rand und Band.“ —„Na, Alte, der Gottfried iſt ja jetzt da und bedient ihn natürlich,“ entgegnete der Vater,„Notabene, wenn's was zu bedienen gibt, denn er pflegt nicht viel daheim zu ſein.“
Bald hernach kam Herr von Hohneck herunter, begrüßte nun auch die Mutter, plauderte mit dem Alten, erneuerte die Bekanntſchaft mit einigen von den Stammgäſten, welche der Vater inzwiſchen ſchon von ſeiner Rückkehr benachrichtigt hatte, und trat endlich dem heimkehrenden Herrn Roman auf's munterſte entgegen. Der Juwelier ſchien auch wirk⸗ lich ganz erfreut zu ſein über dieſe Begegnung; ſie ſetzten ſich zuſammen, aßen, tranken und plauderten, und da bei eingetretenem Regenwetter alle Gäſte heut Abend in der großen Gaſtſtube ſaßen, ging's dort ſo lebhaft her, wie lange nicht, und der Herr von Hohneck wußte ſo viel zu er⸗ zählen und Spaß zu machen, daß man gar nicht aus dem Lachen kam und faſt bis Mitternacht bei einander blieb.
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