Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer. 27

Gottfried, begleite den Herrn hinauf, ſein Zimmer iſt Nummer Neun. Und nachdem der Fremde ſeinen Poſtillon anſtändig bezahlt, ſtieg er mit mir treppauf, ſeinem Zimmer zu, über das ich mich im Grunde etwas wunderte. Denn es war damals noch nicht wie jetzt, wo jeder in den Gaſthäuſern gern den Platz nimmt, den man ihm anweist, wenn er nur überhaupt feſt wird; man wählte und ſuchte und gab etwas darauf, ſtan⸗ desgemäß im erſten Stock zu wohnen, während Herr von Hohneck hier ganz willig in den zweiten hinaufſtieg, wo mein Vater vor einigen Jah⸗ ren noch ein paar Zimmer hatte einrichten laſſen. Sie waren anſtändig, wie alle in unſerem Hauſe, aber vornehm keineswegs, und das Einzige, was man ihnen allenfalls nachrühmen konnte, war ihre Ausſicht. Man ſah, da die Stadt dort hinaus nicht breit, über ihre Quartiere fort in's Freie. Mir freilich wäre das ſehr egal geweſen, und jetzt iſt dort auch alles längſt in die Höhe und zugebaut. Allein zu jener Zeit gab es Leute genug, die dergleichen gern hatten und ſolche Stuben vorzogen.

Als wir droben waren, warf er eine Reiſetaſche, die er ſelber ge⸗ tragen, auf den Tiſch, daß es ſanft und angenehm darin klapperte und klang, und:ja ja, Gottfriedchen, kleiner Hausſohn, ſagte er lachend, das klingt ganz ſchön, nicht wahr? Je nun, Schätzchen,'s iſt diesmal auch etwas Anderes als vor dem Jahr, wo ich verwünſcht in der Klemme ſaß und dem würdigen Herrn Papa ſo ganz unmanierlich ſeinen Glauben an die Menſchheit beeinträchtigen mußte. Ihr, edler Jüngling, würdet mich ſicherlich anders beurtheilt haben, denn Ihr wißt es ſchon, daß es im Menſchenleben Stunden gibt, wo man dem Grunde des Geldbeutels näher iſt als ſonſt und eine Frage frei hat an das Schickſal: warum mir das? Doch sans Spaß, Edelſter, laßt Euch nicht gegen mich ein⸗ nehmen. Ich hatte vorm Jahre ein ungeheures Pech und eine geizige Mutter, die aber genug davon, Allerwertheſter! unterbrach er dieſen Redeſtrom und drehte ſich auf dem Abſatz um.Man ſpricht nicht gern Böſes von ſeinen Erzeugern. Vorbei! Jetzt wollen wir munter leben. Wie geht's meiner luſtigen Tante Hilling? Noch immer ſchön und fidel? Brav! Und apropos, luſtige Geſellſchaft im Hauſe?

Wie das alles ging, oder vielmehr flog und ſchoß, das läßt ſich ab⸗ ſolut nicht beſchreiben. Ich glaube nicht, daß der ganze Schwall länger als eine halbe Minute gewährt, ſo daß ich meinen Kopf wirbeln fühlte und er ſeine letzte Frage wiederholen mußte, bevor ich ſie verſtand.