Jahrgang 
1 (1864)
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20 Meweiren eines alten Gaſtwirths.

aus ihr entgegengeklungen, wie ſie's den Eltern gegenüber immer ganz ungenirt herausgab mit Munterkeit und Neckerei. Allein ich kann nicht grade behaupten, daß mich ihr das näher gebracht, da mir es faſt ſcheinen wollte, als halte ſie ſich ein biſſel über mich auf, wozu ich ihr doch meines Wiſſens keine Veranlaſſung bot, wenn ich auch, die Wahr⸗ heit zu ſagen, dazumal ſo gut wie auch früher und noch ſpäter, von meinen Freunden gleichfalls nicht ſelten geneckt und gehänſelt worden von wegen meiner Solidität undKameligkeit, wie ſie's nannten. Aber das waren Narren und thörichte Menſchen, und unter jungen Leuten bleibt dergleichen nicht aus, Einer iſt der Kreuzesträger. Sie aber war ein kluges Frauenzimmer und kam mir ſonſt niemals nahe. Und doch iſt's ein paarmal ſo geweſen, wiederhol' ich, und einmal hieß ſie mich ſogar: kleiner Herr Gottfried, was mich dazumal nicht wenig verdroß. Denn Donnerwetter, ich war damals ſchon juſt ſo hoch wie jetzt, maß meine richtigen fünf Schuh zwei Zoll, und ſie, obgleich für ein Frauenzimmer groß, reichte mir doch nicht über die Augenbrauen hinaus.

Doch genug davon, da ich hernach noch überflüſſig von der Agnes und mir zu erzählen haben werde. Jetzt muß auch ich fortgehen in meiner Erzählung, wie es die Zeit inzwiſchen gethan.

Die Meſſe war vorübergegangen, wie gewöhnlich, nur daß ſie dies Jahr zur vollen Zufriedenheit der Verkäufer ausgefallen und auch unſere Gäſte flott gelebt hatten und etwas Hübſches draufgehen ließen. Jetzt waren ſie alle längſt wieder fort und bei uns begann die eigentlich ſtille Zeit, da noch niemand in die Bäder oder ſonſt auf Reiſen ging. Wir hatten zwei Drittheile unſerer Zimmer immer und häufig genug alle leer ſtehen, was uns indeſſen keine grauen Haare machte. Es gab bei uns einen ziemlich großen Mittagstiſch von Herren aus der Stadt und bei Gelegenheit auch vom Lande; Abends fanden ſich meiſtens ein paar Stammgäſte zu einem Spielchen zuſammen, und endlich hatten wir außer dem Gaſthof bereits damals die große Ackerwirthſchaft, die ſchon für ſich allein eine Familie ernährt hätte. So gab's immer Arbeit und Ver⸗ dienſt.

Es mag einige Wochen nach Pfingſten geweſen ſein, genau aber weiß ich die Zeit nicht mehr, da die Tage, die uns im Gedächtniß blieben, erſt ſpäter kamen, da fuhr Abends in der Dämmerung eine Extrapoſt bei uns an und der Inſaſſe, ein einzelner Herr, fragte mit einer gewiſſen kurzen