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Von Edmund Hoefer. 21
Weiſe, ob er ein Zimmer haben könne.—„Damit hat's keinen An⸗ ſtand,“ ſagte ich, der ich ihn am Wagen empfing, und hatte Mühe das Lachen zu verbeißen, da das Haus grade ganz leer war und ſeine Stimme genau ſo klang, als ſei er ſchon auf ein paar anderen Stellen abgewieſen worden.„Es iſt die kahlſte Zeit des Sommers, mein Herr, und Sie haben die Wahl. Wollen Sie gefälligſt hereinſpazieren? Johann, nehme Er das Gepäck.“— Der Fremde bezahlte den Poſtillon, der mit erfreuter Miene den Hut zog, und folgte mir dann in's Haus, und nachdem ich ein Licht angezündet, die Treppe hinauf.
Es war ein großer, ſchlanker, hübſcher Mann von etwa vierzig Jahren, mit dunklem Haar und einem ebenſolchen ſtarken Backenbart, in dem ſich jedoch, wie das ja bei brünetten Menſchen zeitig zu geſchehen pflegt, ſchon einige weiße Haare ſichtbar machten. Seine Kleidung war anſtändig, aber einfach, und auch ſein Gepäck machte mir den Eindruck, daß ich's mit einem reiſenden Kaufmann zu thun habe, der ſich etwa nach der von ihm beſuchten Meſſe noch hie und da aufgehalten und nun wieder der Heimat zureiſe. Vor drei bis vier Wochen wäre ſeine Er⸗ ſcheinung eine ganz gewöhnliche geweſen. Ich ſchloß ihm daher Nummer Vier auf, ein hübſches einfenſtriges Zimmer, wie man's eben auf eine Nacht, oder allenfalls auch noch für einen Tag dazu, wo man in der Stadt ein paar Geſchäfte zu beſorgen pflegt, gern hat. Von viel Be⸗ quemlichkeit war da freilich keine Rede, allein ſolche Gäſte fragten da⸗ nach auch nicht; wenn ſie während des Tages daheim waren, ſaßen ſie in der Gaſtſtube.
Er guckte ſich das Zimmer an und guckte mich an und meinte dann: „nein, mein Lieber, das gefällt mir nicht. Ich mag leicht vierzehn Tage bis drei Wochen bleiben und bin es gewöhnt, ein wenig geräumiger und behaglicher zu wohnen. Habt Ihr kein anderes Zimmer?“—„O doch,“ gab ich zur Antwort,„daran fehlt's nicht. Komme der Herr nur ein paar Schritte weiter.“ Und damit führte ich ihn in Nummer Eins, das diesmal meinem Alten für den Herrn, wie ich hoffte, nicht zu gut ſein ſollte.— Und nachdem er ſich auch hier wieder umgeſehen, ſagte er:„das gefällt mir, da kann man auch einmal ein paar Stunden behaglich da⸗ heim ſitzen. Seid Ihr der Kellner?“—„Wie Sie wollen, mein Herr,“ entgegnete ich;„ich bin aber auch der Sohn, doch ganz zu Ihren Dien⸗ ſten.“—„Schön, mein Lieber,“ ſprach er,„ſo könnt Ihr mir vielleicht


