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18 Memoiren eines alten Gaſtwirths.
Jetzt alſo war die Agnes dort und es war die helle Herrlichkeit. Die Dame kam herübergeſprungen und wußte nicht genug zu danken, daß man ihr das Kind zugewieſen, das in allem und jedem muſterhaft, thätig, willig, geſchickt, voll Geſchmack, mit ganz extraordinären Fertigkeiten. Ein Kleid garnire ſie, wie eine Pariſer Modiſtin; Hut oder Haube könne man ihr anvertrauen,— ſie wiſſe mehr daraus zu machen als irgend eine Andere. Das Haar mache ſie ſanft, ſchnell und hübſch wie gar keine, und die feine Wäſche bügele ſie genau wie ein Engel. Ja, ſie leſe ja auch ganz allerliebſt und voll Gefühl vor und ſpreche ſogar ein wenig Franzöſiſch, mit ſehr gutem Accent. Und ſo hübſch ſei ſie, ſo zierlich, ſo manierlich und taktvoll! Kurz, ſie ſei ein wahrer Schatz, und es ſei ein Jammer, daß ſie ihrer Familienverhältniſſe wegen zu ſolchem Platz habe hinabſteigen müſſen. Sie gehöre eigentlich durchaus in den Salon und würde dort ſicherlich ihren Platz auf's anmuthigſte zu behaupten wiſſen.
Das Beſte indeſſen war, daß Agnes ſelbſt zufrieden war und die Herrſchaft lobte. Die Dame ſei in ihrer Luſtigkeit die Güte ſelbſt, weiſe ſie zurecht, zeige ihr alles, wie ſie's wünſche, zwar ein wenig raſch und obenhin, aber doch ſo, daß man's begreifen könne, und dabei voller Nach⸗ ſicht und Geduld, wenn es nicht gleich nach Wunſch gehe. Die Tochter Bertha ſei wohl ein wenig kurz und vornehm, allein doch auch wieder gut; die Knaben ſeien eben Knaben, ein luſtiges und wildes Geſin⸗ del, das ſich indeſſen an ſie, die Agnes, herzlich anſchmiege und ſo viel wie möglich bei ihr ſtecke. Vom Herrn bekomme ſie ſo gut wie nichts zu ſehen, da der Diener bei Tiſch aufzuwarten habe und der Alte nie⸗ mals in die Damenzimmer komme. Nur an einem der erſten Tage, da er ihr im Hausflur begegnet, ſei er ſtehen geblieben, habe ſie ernſthaft angeſchaut und gütig geſagt:„Du biſt ein anſtellig und artig Kind, ſagt mir meine Frau. Bleibe ſo, daß man nicht gleich wieder wechſeln muß. Ich liebe die vielen neuen Geſichter nicht.“— Endlich ihre Dienſtgenoſſen ſeien am wenigſten angenehm, die Köchin grob, Kutſcher und Diener ein wenig gar zu vertraulich und aufdringlich; allein ſie gehe ihnen aus dem Wege und habe nicht viel mit ihnen zu thun.
Ihr Dienſt war zu dem allen nicht ſchwer, oder vielmehr ſie war gewandt und ſchnell genug in kürzerer Zeit mit ihren Geſchäften fertig zu werden als irgend eine Andere es vermocht hätte. So kam ſie denn
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