Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer. 17

beſtimmt auf die Annahme des Mädchens rechnete, geſchah weil erſtens die Kleine wirklich ein bildſauberes Ding war und Erziehung und Anlagen verrieth, und weil zweitens meine Mutter die Art und Weiſe der Frau Steuerräthin beſſer kannte als vielleicht irgend ein anderer Menſch, ja ſo zu ſagen gut Freund mit ihr war.

Das war auch wieder ein kurioſes Ding bei der vornehmen Dame und muß ich freilich davon ſagen, wenn ich ſie zeigen will, wie ſte war. Das Haus des Steuerraths lag nur ein paar Häuſer aufwärts von dem unſeren unſeres an der Ecke des Platzes, ſeins in der Straße, ſo daß wir freilich richtige Nachbarn waren. Wodurch ſich zuerſt die Bekannt⸗ ſchaft gemacht, weiß ich nicht, auch kam meine Mutter nicht zu Hillings, aber Frau von Hilling kam zu ihr; ganz nachbarlich, ein Tuch umge⸗ ſchlagen oder auch wie ſie im Hauſe ging und ſtand, huſchte ſie bald früh, bald ſpät zu uns herüber, ſaß bei der Mutter ein Viertelſtündchen oder auch länger, fragte nach einem Küchenrecept ſie war eine wirth⸗ ſchaftliche Frau und ſtand trotz aller Eleganz zu Zeiten am Herd wie eine rechte Hausfrau nach den Kindern, den Fremden, klagte ein Stück⸗ lein, lachte über irgend ein neues Märlein aus Stadt und Land, ließ ſich Neuigkeiten erzählen oder that das ſelber, neckte ſich mit meinem ſeligen Vater immer ſtreng und ernſthaft konnte der Alte, wie er ſelber ge⸗ ſtand, ihr gegenüber nicht bleiben und huſchte wieder davon. Daß ſie auf dieſe Weiſe meine Mutter ganz und gar gewonnen hatte, verſteht ſich von ſelbſt. Die Alte ließ auch nichts auf ſie kommen. Denn wo ihr wirklich dies und jenes nicht recht war, wurde es durch Anderes für ſie wieder reichlich gut gemacht, und an Manches, was man der Frau und der Wirthſchaft in ihrem Hauſe nachſagte, glaubte ſie nicht.

Nun war die Dame in der letzten Zeit ein paar Tage nicht herüber⸗ gekommen und ſo wußte meine Mutter nicht, wie es ſtand. Allein auf ihre Anfrage erſchien ſie gleich ſelbſt bei uns, fragte die Agnes aus, fand ſie allerliebſt, ſagte ihr die Stelle zu, war fortan nur ungeduldig auf die endliche Entſcheidung von Gernsbach und nahm das Mädchen, als es nun wirklich eintrat, mit offenen Armen auf. Es ging mit der Dame, wie ich's eben beſchrieben, alles ein wenig raſch und ruckweiſe, in ihrem Sprechen ſo gut wie in ihren Einfällen, in ihrem Kommen und Gehen, überall; Geduld und Ruhe hatte ſie nicht und ſitzen blieb ſie nicht länger als ſie durchaus mußte.

Hausblätter. 1864. I. Bd. 2