Jahrgang 
1 (1864)
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Memoiren eines alten Gaſtwirths.

nicht an Luſtigkeit noch an galantem Weſen nach. Sie war äußerlich ſchier wie eine Schweſter ihrer Mutter, denn ich ſagte ſchon, daß man der Alten ihre Jahre nicht angeſehen. Im Uebrigen aber ſchien ſite mehr

nach dem alten Herrn zu arten, ſolid und ernſt, dazu freilich auch kalt und ſtolz, und ſichtbar von dem Leben im Elternhauſe nicht allzuſehr er⸗ baut. Dann kam ein großer Zwiſchenraum, und darauf waren dann

noch zwei kleine Kinder da, ein paar Knaben, etwa ſechs⸗ und achtjährig, von denen auch wohl hie und da geredet wurde, ohne daß es jedoch für das, was ich zu berichten habe, in Betracht kommt. Ich muß nur noch anführen, daß es in der ganzen Stadt wenig Leute gab, die es mit der G Familie nicht ſo hielten, wie ich geſagt, den Herrn achteten und re⸗ ſpectirten, über die Frau vielleicht einmal den Kopf ſchüttelten und Fräu⸗ lein Bertha bedauerten, im Uebrigen aber Beiden auch wieder alles Gute gönnten und ſie's treiben ließen, wie ſie mochten. So war auch mein ſeliger Vater, obgleich der ſich durch nichts beſtechen ließ, nur weil es den

Anderen geſiel. Aber er ließ es gehen und hielt den Mund davon, die⸗

weil es ihn nichts anging.

Die Herrſchaften waren an der Spitze von allem, was wir derzeit Vornehmes in der Stadt hatten, und machten ein großes Haus, Cqui⸗

page, Reitpferde, Diener, Jungfer, Gott weiß was alles, gingen ſtets

ganz nach der Mode, gaben den Kaufleuten zu verdienen, obgleich ſie die

eigentliche und feine Toilette aus der Reſidenz oder ſonſt woher bezogen,

gaben Bälle und Geſellſchaften und hatten jeden Abend, den ſie zu Hauſe verbrachten, ſo viel Leute bei ſich, wie nur kommen mochten. Wovon

ſie das eigentlich gut machten, wußte man nicht genau. Der Steuerrath

hatte ein anſtändiges Einkommen, aber kein Vermögen, ſo mußte es ihm

wohl die Frau zugebracht haben, der man jedoch, da ſie aus dem Reich ſtammte, nicht nachrechnen konnte.

So war's mit Haus und Familie, in welche die Agnes an Stelle der kürzlich verabſchiedeten Jungfer eintrat. Daß der Platz noch nicht be⸗ ſetzt war, kam weil die Damen große Anſprüche machten die Erwählte ſollte nicht allein alles beſitzen, was ſolche Leute von einer Jungfer be⸗ gehren, ſondern ſie ſollte auch hübſch ſein, wie denn außer dem Herrn Steuerrath ſelber alle Bewohner des Hauſes, Kutſcher, Diener, Köchin, in ihrer Art ausnehmend ſchmucke Leute waren. Und daß meine Mutter für die Agnes gleich an den Platz dachte und, wie auch mein Vater,

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