Jahrgang 
1 (1864)
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Von Edmund Hoefer.

guten Unterkommen, ſie verdiene es, ſei ein braves, tüchtiges Mädchen, unnd er habe ſie gern ſchon lange aus der Wirthſchaft dabeim heraus ge⸗

t habt. Weiter erfuhren wir aus dem Briefe nichts, denn der Alte ver⸗ 1 ſchloß ihn gleich, war von da an aber noch freundlicher zu der Agnes , und bedauerte immer mehr, daß ſie zu Steuerraths müſſe. Denn da trat

ſie nun allerdings ſchon in den nächſten Tagen ihren Dienſt als Jungfer der gnädigen Frau an mit beſſerem Muth als der Alte und ich, muß 3 d ich wohl hinzuſetzen. t Der Herr Steuerrath von Hilling war ein ſtädtiſch Kind und ſeinem u Vater, wenn auch nach einer Pauſe im Amt gefolgt. Eigentlich hatte er 4

die militäriſche Carriere gewählt und ſie auch einige Zeitlang verfolgt,

e bis es eben damit zu Ende geweſen, er ſich dem Steuerfach zugewendet 5 und raſch avancirt war. Nun wohnte er ſchon ſeit ſieben oder acht Jahren ut in der angegebenen Stellung bei uns, ein Mann von etwa fünfundvierzig, i ein wenig kurz, ein wenig ſteif, allein im Ganzen nicht unbeliebt bei 3 ſeinen Untergebenen, bei allen aber, die nur nebenher und als Mitbürger 3 m. mit ihm zu thun hatten, im beſten Anſehen ſtehend. ſe Doch war von dem Herrn im Allgemeinen wenig die Rede, die Frau 6 Gemahlin und jetzt auch ſchon Fräulein Tochter ließen Einem dazu nicht 1 viel Zeit. Die Frau Steuerräthin war noch immer eine ſehr ſchöne Dame, von ihrem Alter war ihr wenig anzumerken, und ſie ſelber that auch nicht bie danach, als ob ſie doch immerhin ſchon nahe an die Vierzig heranreichte. an⸗ Contrair, wie ſie ging und ſich trug, wie ſie lebte und was ſie ſich nach⸗ e ſagen ließ, das war alles, wie es von einer Dreißigjährigen ſchon ein 94 biſſel ſtark geweſen wäre. Nur machte man bei ihr nicht ſo viel daraus 3 W und hielt es bei ihr nicht für unrecht, denn ihre Schönheit und Freundlichkeit tie beſtach ſelbſt diejenigen, welche nur ſelten in ihre Nähe kamen. Ja ſelbſt, be⸗ daß ſie für galant galt und man ihr allerlei bedenkliche Geſchichten nach⸗ 9. erzählen konnte, rechnete man ihr nicht gar zu hoch an. Sie war zu 3 nhe ſchön, ſie war zu freundlich, man mußte ihr gut ſein und ihr den Hof er⸗ machen, und endlich war der Mann von der Art, daß man ihr neben ihm le wohl noch einige Unterhaltung gönnen durfte. Es war ein guter ehren⸗ 1 werther geachteter Herr, allein langweilig und einſilbig war er über die hi Maßen. Wenn es bei irgend einem Feſt einmal ein großes Eſſen gab, r ti hab' ich ihn im Verlauf desſelben ſelten oder nie ſprechen hören.

m⸗ 3 1,, 4. Die älteſte Tochter artete der Mutter zwar an Hübſchigkeit, aber