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14 Memoiren eines alten Gaſtwirths.
die gute Frau zum ſeligen Vater, den ſie hinaufgeholt,„man ſieht's Gott weiß erſt jetzt, was für eine Staatsſtube das iſt!“—„Haſt Recht,'s iſt in Blitzmädel,“ verſetzte der Alte ſchmunzelnd.„Schade, daß ſie nicht bei uns bleiben kann, aber es geht nicht, wie ich ſchon ſagte. Und im Uebrigen, Mutter, ſolche Arbeit iſt einmal und als Probe ſchon recht, weiter ſoll ſie aber dergleichen nicht thun.“
Mittlerweile hatte die Agnes längſt an ihre Stiefmutter geſchrieben, ihr angezeigt, wie es ihr in Bornſeld ergangen, wie ſie dort fort und hieher zu uns gekommen, und daß ſie, da ſich eine erträgliche Stelle für ſie finde, Luſt habe dieſelbe anzunehmen und fortan ihr Brod ſelber zu verdienen. Nun langte denn auch die Antwort der Alten an; ſie war an meinen Vater gerichtet, ſo daß ich ſie auch zu leſen bekam, und der rechte Herzensabdruck eines ſchlechten heuchleriſchen Weibsbildes. Die Agnes ſei ein obſtinates, widerwärtiges Ding, ſchrieb ſie, das niemals habe gut thun wollen und ſein Glück mit Füßen von ſich geſtoßen habe. Sie, die Alte, hab' es aufgegeben weiter für ſie zu ſorgen, ſie müſſe an ihre eige⸗ nen Kinder denken, der Poſtmeiſter habe ſo gut wie nichts hinterlaſſen. Wolle mein Vater ſich mit ihr herumplagen, ſo ſei das ſeine Sache, ſie könne nichts dazu thun und nichts erſetzen. Und was der ſchlechten Worte mehr waren.
Der ſelige Vater hat der Agnes den Brief nicht zum Leſen gegeben, ihr auch nicht alles geſagt, was darin ſtand, allein was er ſagte, brachte in ihre Augen ſchon wieder Thränen genug⸗ Sie hat auch jetzt nicht an⸗ geklagt. Nur was das Glück angeht, das ſie mit Füßen von ſich ge⸗ ſtoßen, meinte ſie: es ſei da in Gernsbach ein alter penſionirter Kriegs⸗ rath— man kenne ihn in der Stadt wohl— zu dem habe die Mutter ſie als Haushälterin thun wollen.„Und das wollt' ich nicht und das konnt' ich nicht,“ fügte Agnes faſt heftig hinzu und war roth wie eine Roſe; nes iſt ein ſchlechter Mann und hat ſchon mehr als eines armen Mädchens Unglück auf dem Gewiſſen. Mein Vormund, da er davon er⸗ fuhr, hat der Mutter gleichfalls geſagt, das leide er nicht. Das iſt alles, Herr Kronberg.“
„Und das Rechte, Kind,“ verſetzte mein Herr Vater.„Nun laßt es nur gehen, das Andere iſt meine Sache.“ Er hat auch nicht mehr da⸗ rüber geredet, ſondern an den Vormund geſchrieben und von dem um⸗
gehend die Antwort erhalten, daß er der Agnes Glück wünſche zu einem


